Persönlichkeiten & Unternehmen
Kommentare 2

Valimaro – die Geschichte eines Elben aus dem Großen Grünwald

Persönlichkeiten_Unternehmen

Teil 4

Als sich die knarrende Holztür langsam öffnete, viel sein kalter Blick zuerst in den Raum, der nun viel größer wirkte, als er noch vor wenigen Augenblicken von draußen vermutet hatte.

Durch den kleinen Spalt lugte eine hübsche Elbin hervor, die den Fremden aufmerksam mit ihren klaren Augen verwundert anstarrte. Als sich ihre Blicken schließlich trafen, nahm das Schauspiel im Schattenhain seinen Lauf: „Cunivieth, endlich habe ich euch gefunden!“ 

Der Namenlose streckte vorsichtig seine Hände nach der Elbin aus, eine freundschaftliche und vertraute Begrüßung, wie es schien. Doch die Elbin, die nach seinen Worten etwas nervös wirkte, trat einen Schritt zurück und versuchte, das Gesicht des Fremden zu erkennen, die ausgestreckten Hände ignorierte sie dabei völlig.

Als er den Argwohn in den Augen Cunivieths aufblitzen sah, versuchte er sie zu beschwichtigen:  „Verzeiht mir, ich bin Garadal, Fürst der Garde des Waldes.“  Und wie er dies aussprach, gab er sich einen Namen und nahm die Kapuze seines schwarzen Mantels ab, sodass die Elbin sein Gesicht hätte erkennen können, wäre sie in diesem Augenblick nicht durch das grelle Sonnenlicht geblendet worden, das nun unnatürlich stark in den Raum fiel, obwohl die einsame Hütte weit abseits aller bekannten Wege tief versteckt im Wald an einem Ort lag, den nur wenige Waldelben kannten und der als Schattenhain bezeichnet wird.

 

Unwillkürlich trat sie zwei weitere Schritte zurück in den Raum und gab dem Fremden unfreiwillig Platz, sodass dieser die Möglichkeit ausnutzte und einen Fuß zwischen die Tür bekam.

Mit der rechten Hand umfasste er den wackligen Holzrahmen derselben und ging zwei Schritte auf Cunivieth zu. Diese wirkte nun völlig überrumpelt und spannte ihren Körper an, bereit sich zu verteidigen. Sie trat zwei Meter zurück, um den Abstand zwischen sich und dem Eindringling ihres Hauses zu vergrößern, dann sprach sie zu ihm: „Niemand außer dem Königshaus weiß, dass ich hier, verborgen im Schattenhain, lebe. Niemals kam ein Elb namens Garadal zu mir oder wurde vom König des Waldlandreiches zu mir geschickt.“

Cunivieth machte eine Pause und überlegte, wie sie die Situation nun für sich bewerten sollte. Aufmerksam betrachtete sie die Erscheinung des Mannes, der vor ihr stand. Von Statur und Aussehen erkannte sie einen Elben mit dunklen Haaren, der zur Gänze in Schwarz gehüllt war und offensichtlich keine Waffen an sich trug, zumindest konnte sie keine an ihm entdecken. Währenddessen löste der Mann, der sich Garadal nannte, seinen Mantel und gab sich durch die darunter aufleuchtende grün-goldene Waldlandrüstung als Fürst der Garde zu erkennen.

 

Dann nahm er sich einen der zwei Holzstühle, die im sonst eher leer wirkenden Raum herumstanden und stellte diesen so in den Eingangsbereich der Hütte, dass der Stuhl den Weg zur Tür versperrte. Mit einer geschmeidigen Bewegung setzte sich der fremde Gast auf den Stuhl und blickte Cunivieth in aufrechter Sitzhaltung interessiert an. Die klapprige Haustür stand immer noch offen.

Der Fremde bemerkte den schnellen Blick Cunivieths, der zur Tür und wieder zurück zu ihm huschte und lachte in sich hinein, dann sprach er langsam: „Ihr habt natürlich Recht, ich komme heute zu euch, um mit eurer Hilfe das Waldlandreich und damit auch euer Heim hier…“ Er blickte sich im Raum um und unterstrich mit einer kreisenden Bewegung seiner Hand die folgende Aussage „…vor einem schlimmen Unglück zu bewahren, denn wir Elben sind alle in großer Gefahr.“

Cunivieth wirkte skeptisch bei diesen Worten und dachte für sich, warum nicht Prinz Legolas oder König Thranduil direkt zu ihr gekommen waren, so wie in den wenigen Malen zuvor, wenn die Sinda sie um Rat ersuchten oder sich nach dem Versteck der Steine erkundigten.

Der Mann in Cunivieths Heim erkannte das Misstrauen der Elbin und seufzte. „Ihr glaubt mir nicht? Nun, dann werde ich euch von der Wahrheit meiner Worte überzeugen müssen. Während mein König und sein Sohn beschäftigt sind, das Waldlandreich nach den Dieben abzusuchen, schickten sie mich zu euch, um euch in Sicherheit zu bringen. Ich wurde in das Geheimnis eurer Gaben eingeweiht und sollte euch schnellstmöglich aufsuchen, um euch in Sicherheit zu bringen und auch die Dinge, die ihr hier versteckt aufbewahrt.“ Aufgeregt wühlte der Fremde während seiner Worte in der linken Manteltasche und holte dann einen funkelnden, rosafarbenen Stein hervor, den er kurz empor hielt und dann zwischen sich und Cunivieth auf den Boden legte.

Dann wartete er ab und als er sah, wie Cunivieth reagierte, leuchteten seine Augen vor Freude, denn er wusste, dass er die Elbin von seinen Absichten überzeugt hatte.
Cunivieth begann ihrerseits in das Schauspiel des Fremden einzusteigen und ging mit schnellen Schritten auf den wunderlich gezackten Stein am Boden zu, dabei mimte sie die neugierige Elbin: „Woher habt ihr diesen Sternenstein bekommen und warum tragt ihr ihn bei euch?“

Der fremde Gast musste bei dieser Frage ein zufriedenes Lächeln unterdrücken und antwortete: „Nun, ich musste etwas bei mir tragen, das euch von meiner Glaubwürdigkeit überzeugt und uns viel Ärger und Zeit erspart.“ 

 

Cunivieth nickte, dann hob sie den Sternenstein auf und steckte ihn rasch in eine ihrer vielen Taschen, die an ihrer Schürze hing. Für den Bruchteil eines Herzschlags dachte sie für sich, dass dieser Stein leer war. „Ihr seid Cunivieth die sehende Kräuterkundige aus Schattenhain. Ich bin gekommen, um euch im Namen meines Volkes zu beschützen.“ Als er dies sagte, erhob sich der Fremde vom Stuhl und deutete eine kurze Verbeugung seinerseits an.

Cunivieth tat es ihm gleich und machte einen Knicks in Richtung des Fremden. Dann mit einem bestimmenden Tonfall sprach sie zu ihm: „Ja, das bin. Ich kenne euch nicht, Garadal, Fürst der Grünwaldgarde. Doch sagt mir, welches Unheil mir droht und ich werde entscheiden, ob ich euch und dem König helfen kann.“ Daraufhin schloss der fremde Gast kurz seine Augen und sprach dann laut und deutlich einen Namen aus: „Valimaro.“

Cunivieth tat überrascht und bedeutete ihrem Gegenüber, weiterzusprechen, was auch geschah. „Ich brauche eure Hilfe, um das Schicksal von Valimaro zu erfahren, ich muss wissen, was dieser Elb in Zukunft machen wird, denn er ist der Dieb dieser Sternensteine und plant großes Unglück für alle Bewohner dieses Waldes. Ich muss wissen, wo er ist und wie ich ihn vernichten kann.“ Aufmerksam folgte die Elbin diesen Worten und blickte den fremden Gast anschließend mit ernster Miene an: „Ich werde euch helfen.“

Wird fortgesetzt…

V.T. für A.W.
Kategorie: Persönlichkeiten & Unternehmen

von

Ich bin Valimaro Taurthir, ein Sindar aus dem großen Grünwald, wo meine Mutter Maneth lebt und mich aufzog. Seit mehreren Jahrhunderten bereise ich nun schon die zahlreichen Regionen Mittelerdes, um im Auftrag des Waldlandreiches die Geheimnisse der Bewohner außerhalb Rhovanions sowie deren Geschichten zu erforschen. Auf einer meiner ersten Besuche in Bruchtal brachten die Elben mir dort das Lesen und Schreiben bei und ich begann, meine Abenteuer, die ich alleine oder mit meinen einstigen Weggefährten in all den Jahren erlebte niederzuschreiben. Zum Auenländer Wochenblatt kam ich durch Idda Goldkerze, eine bemerkenswerte Schriftgelehrte, die ich in Bruchtal kennenlernte und die mir eine ganz andere Seite Mittelerdes zeigte, nämlich die liebe Gesellschaft der Hobbits vom Efeubusch. Seitdem kümmere ich mich gerne als Gastredakteur vom Auenländer Wochenblatt vor allem um Neuigkeiten und Kurzgeschichten meines Volkes in den verschiedenen Regionen Mittelerdes und berichte von meinen Erlebnissen vergangener Abenteuer.

2 Kommentare

  1. Beuno Willowtree sagt

    Toller Einblick in das Leben und Treiben von euch Elben – was man als Hobbit ja sonst so nie mitbekommt – und wieder sehr schön geschrieben. Nur weiter so, lieber Vali! :)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>