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Valimaro – die Geschichte eines Elben aus dem Großen Grünwald

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Finaler Teil

Cunivieth führte den Elben etwas tiefer in den Schattenhain und dachte dabei über ihn nach. Sie wusste bereits seit einiger Zeit, dass der Tag ihrer Begegnung zugleich ihr beider Schicksal besiegeln sollte, das hatte sie vorausgesehen.
Doch wäre es möglich, dass sich dieses durch seine Hilfe abwenden ließe?
Vorsichtig und in Gedanken versunken blickte sie seitlich zu Valimaro und musterte sein Gesicht flüchtig, er war ein attraktiver, groß gewachsener Elb mit klaren grünen Augen, stellte sie fest.

Valimaro erwiderte den schnellen Blick der Elbin und versuchte, dabei gelassen auf sie zu wirken, obwohl er innerlich fast von seiner Neugierde und dem Interesse an Cunivieth überwältigt wurde.
Nach zwei schnellen Herzschlägen richtete er das Wort an die Elbin:
„Ich habe noch keine weitere Frage gestellt.“ 
Cunivieth lächelte ein wenig und entgegnete ihm sanft:
„Das stimmt, zwei Fragen bleiben euch noch.“ 
Zufrieden senkte Valimaro den Blick zu Boden und folgte der Kräuterkundigen tiefer in den Schattenhain, die Bäume standen bald weniger dicht zusammen und gaben allmählich den Blick auf eine kleine Lichtung frei.
Als die beiden am Waldrand angekommen waren, standen sie vielleicht zweihundert Schritte von einem kleinen Holzhaus entfernt, das auf Valimaro sehr schlicht und verfallen wirkte.
Die Tür sah sehr alt und klapprig aus, dort hatte schon lange niemand mehr versucht, das Haus von außen in einem akzeptablen Zustand zu erhalten, wie es ihm schien.
Unbewusst blieb der Wächter stehen und blickte den schmalen Weg vom Haus zu einer kleinen Anhöhe hinauf.
Dort oben zwängte sich der schmale Weg dicht vorbei an der Waldbegrenzung zu beiden Seiten und verschwand schließlich in einer Kurve in den Bäumen.
Valimaro versuchte, dem Wind zu lauschen und achtete auf die Geräusche um ihn herum, doch er hörte absolut nichts.
An Cunivieth gerichtet sprach er:
„Der Schattenhain wirkt hier so leblos und verlassen, wenn keine Pflanzen hier wüchsen, könnte man meinen, die Natur wäre nicht lebendig und es würde Stillstand und Leere hier herrschen.“
Cunivieth blieb stehen und drehte sich etwas zu ihm, bevor sie dem Elben antwortete:
„Dieser Teil des Waldes ist sehr alt und die Tiere meiden ihn wohlwissend, denn die hohen Bäume tragen die Zeichen und den Geruch längst vergangener Zeitalter, als die Welt noch anders und unbewohnter war. Dies spüren die Tiere des Waldes und meiden den Schattenhain in Ehrfurcht.“ 
„Waru….“ Valimaro unterbrach sich schnell wieder.
Dann setzte der Wächter erneut an:
„Das Leben findet doch immer einen Weg.“ 
Cunivieth verstand die indirekte Frage.
„In Endóre spüren alle lebenden Wesen, ob Baum, ob Fleisch oder Fisch, das Alter ihrer Umgebung, das wurde ihnen zur Vorsicht und Wertschätzung einst zum Geschenk gemacht. Und Bäume bedeuten viel mehr Leben, als ihr vielleicht glauben mögt, Valimaro.“
Valimaro blickte etwas verwundert.
„Endóre?“ 
Cunivieth schmunzelte verlegen und legte den Kopf etwas schräg, dann sprach sie:
„In Ennor, meinte ich natürlich. Kommt, ich möchte euch etwas zeigen.“
Die Elbin bedeutete Valimaro mit einer einladenden Handbewegung, ihr in das Haus zu folgen.

Etwas gekränkt folgte der Wächter dieser Geste und schritt langsam auf das Haus zu.
Als Sindar, so dachte sich der Elb, würde er ja wohl am besten wissen, dass Bäume Lebewesen seien.
Doch was er dabei nicht in den Worten Cunivieths erkannte, war die Tatsache, dass die ältesten Noldor weit mehr über die Macht der Bäume zu wissen vermochten, als die Sinda je erfahren würden.
Kurz bevor der Wächter in das kleine Holzhaus eintreten wollte und bereits eine Hand an die Türklinke angelegt hatte, hielt er plötzlich inne und dachte darüber nach, was er hier eigentlich tat.
Verriet er nicht sein Volk? War es richtig oder falsch? Wer war diese seltsame Elbin namens Cunivieth? Sollte er Garadal oder zumindest Baradan von seiner Begegnung mit ihr erzählen?
Fragen über Fragen überkamen Valimaro in diesem Moment, die er nicht offen aussprach.
Cunivieth ahnte, welche Gedanken den Elben auf der Schwelle ihrer Haustür beschäftigten und versuchte, ihm seine Entscheidung, was er nun tun sollte, etwas zu erleichtern.

Sie stellte sich direkt neben den Elben und legte eine ihrer Hände auf seine linke Schulter, bevor sie zu ihm sprach:
„Valimaro, niemand zwingt euch, in dieses Haus, mein Reich, einzutreten. Ihr habt nichts Falsches getan, als ihr meiner Stimme in den Schattenhain gefolgt seid, und ihr tut auch nichts Falsches, wenn ihr augenblicklich wieder zurück zu eurem Volk kehrt. 
Doch kann ich euch sagen, wenn ihr den Schattenhain jetzt verlasst, werdet ihr nie erfahren, was hätte sein können, was sein wird und eure Fragen werden auf ewig unbeantwortet bleiben.
Und für viele Jahrhunderte werdet ihr euch an den heutigen Tag zurückerinnern und euch fragen, wie euer Weg hätte verlaufen können, wenn ihr euch an meiner Tür damals anders entschieden hättet. 
Eure Wahl wird unser gemeinsames Schicksal entscheidend beeinflussen.“ 

Die Worte Cunivieths drangen tief in den Verstand des Elben und entzündeten dort erneut den Funken der Neugierde danach, was die Elbin alles mit ihrer Aussage zu wissen vorgab.
Entschlossen drücke Valimaro die Türklinke herunter und trat in das Reich Cunivieth, die zufrieden lächelte und sich kurz nach Valimaro in ihr Haus begab.

Von diesem Tag an, verbrachte Valimaro viele Stunden mit Cunivieth und fortan weniger Zeit mit Baradan und den übrigen Wächtern der Grünwaldgarde.
Dieser Umstand sollte ihm einst vorgeworfen werden, um ihn für ein Verbrechen verantwortlich zu machen, das er nie begangen hatte.
Und mehr noch, die Freundschaft zwischen Valimaro und Baradan sollte durch seine alleinigen Ausflüge in den Schattenhain auf eine harte Probe gestellt werden und letztendlich auch zum Bruch zwischen ihnen beitragen.
Aber dieser Tag war noch fern.
Bei seinen ersten Besuchen zeigte die Elbin dem Wächter ihre Fertigkeiten im Umgang mit den verschiedensten Kräutern, Waldfrüchten und Gräsern, die sie zu diversen Tink- und Mixturen sowie Tränken zusammenmischte, um den Wald und seine Wunder zu studieren, wie sie es nannte.
Auch zeigte Cunivieth dem Wächter ihren großen Garten mit dem klaren Teich in der Mitte, der von zahlreichen unbekannten Gewächsen begrenzt wurde und völlig frei von allen Tierarten war, die normalerweise ein solches stilles Gewässer aufsuchen würden.
Und stets war es Cunivieth, die zu Valimaro sprach und ihn viel lehrte über die Kräuterkunde in der Wildnis und ihn in viele ihrer kleineren Geheimnisse einweihte, um sich noch besser im Nachtwald zurechtzufinden und die Schätze des Waldes zu erkennen und für sich nutzen zu können.
Und Valimaro sparte sich seine zwei Fragen auf und ließ die Elbin ihn unterweisen, was immer sie ihn auch lehren wollte. Doch das Warum blieb für ihn im Dunkeln. Denn darüber sprach Cunivieth noch nicht.
In all den Jahren, die nun vergingen, besuchte Valimaro seine Freundin im Schattenhain dutzende Male und es soll an dieser Stelle nicht auf jedes ihrer Treffen eingegangen werden, weil die meisten dieser Besuche den beiden Elben und ihrer Vertrautheit miteinander gehören und deshalb nicht für andere bestimmt sind.
Doch sollen die beiden Treffen hier zur Sprache kommen, an denen der Wächter jeweils eine seiner Fragen an Cunivieth gerichtet stellte und den Schattenhain anschließend verlassen musste.

Die Elbin Muriell setzt ihre Feder ab und blickt Valimaro, der unmittelbar vor ihr steht, in seine grüne Augen. 
“Hast du mich eben nicht gehört?” Fragte er sie. 
Kleinere Falten legten sich auf die Stirn der Elbin und sie dachte angestrengt darüber nach, was der Wächter gerade zu ihre gesagt hatte…
Valimaro seufzte, dann sprach er erneut: “Ich möchte, dass du die Geschichte über meine und unsere Vergangenheit nun ruhen lässt. Ich habe kein Interesse, dass sie den falschen Leuten, auf deren Suche wir sind, einst in die Hände fällt und sie die Gedanken, Gefühle und das Wissen über mein Leben dazu einsetzen könnten, um mir zu schaden.” 
Muriell nickte. 
“Deine Entscheidung Vali, ich wollte nur, dass diese Dinge nicht in Vergessenheit geraten und ein Teil von dem ist mir auch passiert.”
“Das mag sein, Muriell. Darüber darfst du auch gerne schreiben, lass meine Geschichte aber ruhen. Es reicht, wenn ich weiß, was vor langer Zeit dort alles geschah.” 
Der Elb machte sich auf und ging ein Stück weiter die Straße hinauf, in Richtung seines Hengstes Valkas. 
In der Ferne waren die Imladris-Fälle zu erkennen, wo sich der Bruinen seinen Weg über steile Felsvorsprünge schlängelte. 
Für einen Moment dachte die Elbin darüber nach, einfach für sich weiterzuschreiben, doch dann klappte sie das Buch doch endlich zu, steckte es in ihre Satteltasche am Pferd und zog dieses summend in Richtung Valimaro. 

V.T. für A.W.
Kategorie: Persönlichkeiten & Unternehmen

von

Ich bin Valimaro Taurthir, ein Sindar aus dem großen Grünwald, wo meine Mutter Maneth lebt und mich aufzog. Seit mehreren Jahrhunderten bereise ich nun schon die zahlreichen Regionen Mittelerdes, um im Auftrag des Waldlandreiches die Geheimnisse der Bewohner außerhalb Rhovanions sowie deren Geschichten zu erforschen. Auf einer meiner ersten Besuche in Bruchtal brachten die Elben mir dort das Lesen und Schreiben bei und ich begann, meine Abenteuer, die ich alleine oder mit meinen einstigen Weggefährten in all den Jahren erlebte niederzuschreiben. Zum Auenländer Wochenblatt kam ich durch Idda Goldkerze, eine bemerkenswerte Schriftgelehrte, die ich in Bruchtal kennenlernte und die mir eine ganz andere Seite Mittelerdes zeigte, nämlich die liebe Gesellschaft der Hobbits vom Efeubusch. Seitdem kümmere ich mich gerne als Gastredakteur vom Auenländer Wochenblatt vor allem um Neuigkeiten und Kurzgeschichten meines Volkes in den verschiedenen Regionen Mittelerdes und berichte von meinen Erlebnissen vergangener Abenteuer.

2 Kommentare

  1. Mairad Flinkfuß sagt

    Schade aber vielleicht erfahre ich ja vom Valimaro selbst einmal wie es weiter gegangen ist.

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