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Spektakulärer Trinkabend im Pony Teil 1: Ein seltsamer Fund auf Dornlags-Baustelle sorgt für Wirbel in Bree und seinem Umland

Dort soll es jetzt angeblich in der Nacht spuken und die Grünsees erwägen wohl den Verkauf ihres kürzlich erworbenen Grundstücks“, meint Meister Hohlm, „Nein“, erwidert Kirschner Marlon trocken darauf und schüttelt energisch seinen Kopf, bevor er weiter in meine Richtung ausführt: „Sie haben dort zwar etwas Seltsames ausgegraben und wohl auch einen der Arbeiter einsperren lassen, aber vom Spuk höre ich zum ersten Mal.“ 

Auf den Straßen Brees kursieren dieser Tage die wildesten Gerüchte darüber, was Carl Grünsee, der Bauherr und Besitzer der naheliegenden Baustelle (Anmerkung der Redaktion: Dornlags Baustelle) nahe der großen Oststraße, dort angeblich vor einiger Zeit ausgraben ließ. Die Spekulationen reichen von alten Goldmünzen über Tafelsilber, Götzenbilder, die Sauron ähneln sollen, goldenen Trinkpokalen, smaragdgrünen Diademen bis hin zu in Gold eingebundenen Büchern. Es war klar, dass ich dieser Sache auf den Grund gehen würde. 

Ich erfuhr von diesen Gerüchten unlängst aus einer älteren Ausgabe des AW und habe nach dem Lesen sofort meinen schwarzen Hengst Valkas gesattelt, um ausgehend von Lisels „Schankmaid“, in der ich zur Zeit gastiere, nach Bree aufbrechen zu können. 

Ich war bereits verwundert darüber, dass sich die Neuigkeit vom angeblichen „Schatzfund“ noch nicht zum Wirtshaus in Kranwegen herumgesprochen hatte. 

Doch als ich das Südtor Brees passierte, fiel mir sofort auf, dass die Menschen auf der Straße in ihren Gesprächen verstummten und wegschauten, als ich an ihnen vorbeiritt, so, als wenn der Harlekin höchstselbst zurückgekehrt wäre, der die Stadt vor einigen Monaten mit seinen blutigen Gräueltaten heimgesucht hatte. Die Munkelei konnte also noch nicht so alt sein, denn außerhalb Brees verzichtete die Menschen lieber, sich um diesen Fund „das Maul“ zu zerreißen.        

Das Wetter ließ mich, wie so oft auf meinen Streifzügen durchs Breeland, auch diesmal wieder im Stich und so waren Valkas und ich schon sehr vom Regen durchnässt, als wir uns gemeinsam einen Weg durch die Straßen der Stadt bahnten.  

Langsam führte ich meinen Hengst über das breit angelegte Kopfsteinpflaster Brees, hinauf zum beliebtesten Gasthaus der Region, dem „Tänzelnden Pony“, in dessen Stallungen ich Valkas für ein paar Silberlinge gut versorgt wusste. 

Sodann machte ich mich daran, möglichst viele Informationen über die aktuellen Geschehnisse auf Dornlags Baustelle in Erfahrung zu bringen. Um etlichen Personen Brees, die ich bei meinen zahlreichen Reisen kennengelernt hatte, aus dem Weg gehen zu können, denn ich wollte meine Präsenz in der Stadt möglichst eine Weile lang geheim halten, mied ich die vielen öffentlichen Bereiche der Stadt, in denen am Tage einiges los ist und wartete stattdessen in den ärmeren Vierteln und Gassen der Stadt den Einbruch der Nacht ab, denn ein altes Menschensprichwort besagt ja schließlich: „im Dunkeln ist gut munkeln“.    

Als die Nacht bereits zur Gänze angebrochen war, schlich ich mich unauffällig durch die Eingangstür des Tänzelnden Ponys und stahl mich eilig an ein paar Trunkenbolden vorbei, um nahezu unbemerkt in das Gasthaus eintreten zu können. Dort angekommen, empfing mich der ohrenbetäubende Lärm eines zum bersten gefüllten Schankraums, ‚ja‘, sagte ich zu mir selbst, hier bist du richtig, denn wenn es einen Ort in Bree gab, an dem ich nützliche Informationen würde aufschnappen können, dann war es dieser hier. 

Gelächter, Musik, das Poltern von Geschirr und Bierkrügen beim gemeinsamen Schunkeln, all dies ließ mich wissen, dass es richtig war, diesen Ort für meine Recherche auszuwählen, denn hier würde meine Anwesenheit den Gästen nicht weiter auffallen. Zwar konnte ich den alten Butterblume nicht erspähen, doch ich war mir sicher, dass dieser sich irgendwo im hinteren Schankraum oder in den Vorratsräumen um die Bedürfnisse seiner Gäste kümmern würde. 

Ich zog mich allerdings in die entlegensten und dunkelsten Bereiche des Schankraums zurück, sodass ich nahezu mit den Schatten verschmolz und niemand mich bewusst würde ansprechen wollen. Sicher versteckt in der Schwärze der Dunkelheit belauschte ich aufmerksam die Stammtischgespräche einzelner Gruppen, die mich umgaben. Aber zunächst konnte ich keine Gespräche über den Fund mitanhören, stattdessen feierte der nächstgelegene Tisch einen Geburtstag und ein anderer Tisch veranstaltete einen munteren Würfelabend, ohne dabei über etwas anderes als Frauen- und Geldsorgen zu sprechen. Nur die zwei Zwerge am Tresen, die ich aufgrund der mich umgebenden Lautstärke nicht zur Gänze verstehen konnte, schienen sich wissend, aber recht kurz angebunden, über die Geschehnisse in Bree zu unterhalten. Was suchen zwei Zwerge eigentlich im Pony? Seltsam.       

So verging die Zeit, niemand der anwesenden Gäste sprach mich an und auch kein Angestellter des Ponys erkundigte sich nach meinen Trinkwünschen, aber gleichwohl kamen auch keine Gespräche über den besagten Fund zustande, lediglich der neuste Klatsch und Tratsch, z.B. dass ein berüchtigter Zwerg erneut in den Keilerbrunnen gefallen war oder sogar dort gebadet hatte, kamen mir zu Ohren. 

Ich hatte die Hoffnung fast schon aufgegeben, als ich drei Breeländer erspähte, die dicht vor den großen Kamin gedrängt und sichtlich angetrunken über die jüngsten Vorfälle auf Dornlags Baustelle debattierten. Ich verließ meine schützende Dunkelheit, setzte mich auf einen der freien Stuhl in ihrer Nähe und begann, die Männer bei ihrem Gespräch unauffällig zu belauschen.

Was sie dann erzählten, ließ mich zunächst aufhorchen und dann zusammenschrecken… 

Wie es weitergeht, erfahrt ihr im zweiten Teil meines Berichts über einen spektakulären Trinkabend im Pony in der kommenden Ausgabe des Auenländer Wochenblatts.   

Ich bin Valimaro Taurthir, ein Sindar aus dem großen Grünwald, wo meine Mutter Maneth lebt und mich aufzog. Seit mehreren Jahrhunderten bereise ich nun schon die zahlreichen Regionen Mittelerdes, um im Auftrag des Waldlandreiches die Geheimnisse der Bewohner außerhalb Rhovanions sowie deren Geschichten zu erforschen. Auf einer meiner ersten Besuche in Bruchtal brachten die Elben mir dort das Lesen und Schreiben bei und ich begann, meine Abenteuer, die ich alleine oder mit meinen einstigen Weggefährten in all den Jahren erlebte niederzuschreiben. Zum Auenländer Wochenblatt kam ich durch Idda Goldkerze, eine bemerkenswerte Schriftgelehrte, die ich in Bruchtal kennenlernte und die mir eine ganz andere Seite Mittelerdes zeigte, nämlich die liebe Gesellschaft der Hobbits vom Efeubusch. Seitdem kümmere ich mich gerne als Gastredakteur vom Auenländer Wochenblatt vor allem um Neuigkeiten und Kurzgeschichten meines Volkes in den verschiedenen Regionen Mittelerdes und berichte von meinen Erlebnissen vergangener Abenteuer.

  1. Beuno Willowtree

    Das ist ja eine spannende Geschichte, lieber Vali! Aber wieviel Wahrheit dahintersteckt, wird sich erst noch zeigen müssen! 😉

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