Berichte

Grenzerbericht: Wahnvorstellungen, Anklagen und eine gespielte Entschuldigung!

Bekanntlich sind Grenzer ja immer im Dienst und so war es wenig verwunderlich, dass sie auch am vergangenen Dienstag, wieder pünktlich ihre wohlbekannte 'Grenzersprechstunde' abhielten. Ab der achten Abendstunde traf man sich im Weiler 'Fuchskleve', um sich den Sorgen und Nöten der Bevölkerung zu stellen.

Diesesmal wurde aber anscheinend, ausnahmsweise, das Vergnügen vor die Arbeit gestellt, da ich, als ich das Grenzergrundstück betrat, mit einem ‚Schneeballhagel‘ begrüsst wurde, den die drei Grenzer, Sundo, Kelko und Faroweis, auf mich herabregnen liessen! Auch die Beamten haben sich immer noch eine kindliche Ader bewahrt, die im Angesicht des frischgefallenen Schnees, zu Tage trat. Dies liess auch mich nicht unberührt und ich stieg, sogleich und ungehemmt, in das ‚feuchte Vergnügen‘, mit ein. Nach gut zehn Minuten, trafen wir uns dann, erschöpft, durchnässt, aber auch glücklich kichernd, vor der Eingangstür des Grenzerhauptquartiers, wo wir uns dann ersteinmal ordentlich begrüssten und Kelko sich erbat, rasch die Julfestdekoration im Innern, entfernen zu dürfen, während wir anderen, uns draussen am Kochfeuer aufwärmen und eine heisse Bouillon geniessen konnten.

Die klare Rinderbrühe tat, Sundo, Faroweis und meiner Wenigkeit, Beuno Willowtree, sehr gut und verbreitete eine wohlige Wärme in unseren Innereien, sodass wir schon bald kein bißchen mehr froren und bereit waren, uns der neuen Grenzerstunde zu stellen. Nach einem Viertelstündchen, kehrte Kelko bereits wieder zurück und bat uns, ins Smial einzutreten, wo auch ein ‚ordentlicher‘ Eintopf auf uns warten würde, wie er versprach. Kaum war das Wort ‚Eintopf‘ verklungen, erschien, wie aus dem Nichts, Bango Gerstfeld in unserer Mitte und fragte nur atemlos ‚Wo?‘. Wir alle mussten herzhaft über diese Szene lachen und bugsierten den ‚Essperten‘, flugs ins Grenzersmial hinein.

Kurz danach, sassen wir alle gemütlich, mit einer dampfenden Schüssel in Händen, vor dem prasselnden Kaminfeuer und liessen uns den von Kelko selbstgekochten ‚Beutelratteneintopf‘, genüsslich munden. Trotz des kruden Namens, versicherte uns der Grenzerhauptmann, dass darin mitnichten Rattenfleisch enthalten sei, sondern ein Mischmasch aus Schweine- und Rindfleisch den Hauptbestandteil darstelle und der Name lediglich eine humorvolle Verballhornung aus der altvorderen Zeit seie. Bango schien dies sichtlich egal zu sein, da er sich bereits vor Kelkos Erklärung, den zweiten Nachschlag geholt hatte! So mampften wir fröhlich vor uns hin, bis Grenzerausbilder, Faroweis Birnhaag, das Wort an sich riss und unvermittelt mit einer infamen Beschuldigung, die er am vergangenen Stammtischtreff, bereits der Grenzerin, Tulpeline Schweinepfote, ‚ins Ohr geträufelt‘ hatte, ‚um die Ecke‘ kam.

Seinem Bericht zufolge, klagte sein alter Vater, Frarbras Birnhaag – der ja bekanntlich in der letzten Wochen von der Leiter gestürzt und von den Grenzern und Besuchern der Grenzerstunde, behandelt worden war -, mich, Beuno Willowtree, der ‚versuchten Vergiftung‘ an! Wir alle schauten erst erstaunt auf, konnten dann aber nur verächtlich Lächeln, da wir bei diesem Ereignis, ja alle als Zeugen zugegen gewesen waren und den Hergang des Geschehens genau kannten. Kelko hatte mich damals nämlich davon abgehalten, dem Gestürzten einen ‚Bogüfett-Tee‘ aufzubrühen, den ich ihm zur ‚inneren Heilung‘, hatte zubereiten wollen, was Frarbras in seinem Schockzustand, im Nachhinein, wohl falsch ausgelegt und verbrämt hatte. Faroweis bestätigte, nach kurzen Nachdenken, dass ‚Frar‘ tatsächlich etwas fahrig und verwirrt gewirkt hatte und vermutete, dass sein Vater sich bei besagtem Leitersturz, auch den Schädel angeschlagen haben könnte.

Mit soetwas war nicht zu spassen, wie Sundo in den Raum warf, als er Faroweis Worte vernahm und erheischte sofort zu erfahren, wo sich Frarbras momentan aufhielt. ‚Im ‚Schwimmenden Balken‘ zu Froschmoorstetten‘, war Faroweis knappe, aber präzise Antwort, die Sundo ausreichte, um uns zum sofortigen Aufbruch zu ersuchen, da er den Verunfallten persönlich in Augenschein nehmen wollte, um eine akute Gehirnerschütterung, bestätigen, oder ausschliessen, zu können. Wir alle sahen die Dringlichkeit dieser Aufgabe sofort ein und sassen rasch auf unseren Ponies, die wir in Richtung ‚Froschmoorstetten‘ lenkten. Vor dem froschmoorstettener Lokal angekommen, wurde eine Vorgehensweise festgelegt, die den alten Dachdeckermeister möglichst wenig aufregen sollte.

Ich sollte mich erstmal für den nicht stattgefundenen ‚Giftanschlag‘, gespielt entschuldigen, damit sich Frarbras beruhigen und Sundo und Kelko, eine Diagnose erstellen konnten. Vorab deckten wir uns aber noch beim Wirt mit Pfannkuchen und dem traditionellen ‚Sumpfbier‘ ein, bevor wir in den Nebensaal hinübergingen, wo der alte Birnhaag vor dem Kamin sass. Er echauffierte sich sichtlich, als er meiner ansichtig wurde, nahm meine wiederholte Entschuldigung dann aber letztendlich doch noch an und zeigte sich im Nachhinein sehr versöhnlich. In einem ‚Sechsaugengespräch‘, konnten die beiden Grenzerhauptmänner hernach dann erfreulicherweise erudieren, dass doch keine Gehirnerschütterung bei Frarbras vorlag und seine Verwirrtheit auf den Konsum von mehreren Humpen ‚Sumpfbier‘, zurückzuführen war.

Das Bein, das sich der Dachdecker beim Sturz verletzt hatte, war mittlerweile übrigens wieder abgeschwollen und hatte sich nicht als Bruch erwiesen. So verliessen wir den ‚Schwimmenden Balken‘ mit einem rundherum positiven Ergebnis und verabschiedeten uns in bester Laune voneinander. Eine weitere Grenzerstunde endete somit, mit einem weiteren erfolgreichen Einsatz der Beamten. Gute Arbeit, ‚Grenzer des Auenlands‘!

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Tulpeline

    Dann hat sich das also Gelöst. Aber eine gespielte Entschuldigung find ich nun nicht so nett.

    • Beuno Willowtree

      Naja, die Tat war ja nur von Frarbras eingebildet, also brauchte es auch keine echte Entschuldigung. 😉

      • Tulpeline

        Na ja vielleicht auch nicht. Ich meine man weiss ja nicht was passiert wenn man das Bogüzeugs schon nur erschnüffelt. Vielleicht ist deswegen nun alles kaputt im Kopf.

  2. Zum Glück hat keiner bemerkt, daß es bockländische Tradition ist Schneeball aus gelben Schnee zu formen. Ach Beunolein! Noch bevor die Bogüfettvergiftung ausgeräumt ist, hast du schon den nächsten Fauxpas begangen.

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