Berichte

Grenzerbericht: Vier Elben und ein Schnabeltier!

Das Hauptquartier der 'Grenzer des Auenlandes', hatte auch am vergangenen Dienstag wieder seine Tore für alle Bürger geöffnet, die ein Anliegen an die Grenzbeamten vorzubringen hatten. Die berühmte 'Grenzersprechstunde' fand nämlich wieder pünktlich zur achten Abendstunde, in der beschaulichen Südviertelsiedlung 'Fuchskleve' statt.

Ich staunte nicht schlecht, als ich das Gartenareal des Grenzerhauptquartiers betrat und einer grösseren Anzahl von Personen ansichtig wurde, als ich dies normalerweise von den Grenzerstunden gewohnt war. Neben den Grenzern, Kelko und Faroweis und den Stammgästen, Bango Gerstfeld und Werro Hanfstengel, waren nämlich auch der Unternehmer, Herr Gaumardas Brockstaedter, sowie die Elben, Fräulein Brevorvien und Herr Ahilleth, unter den Anwesenden. Dies stellte eines der grössten Besucheraufkommen seit längerer Zeit dar und ich brauchte eine kleine Ewigkeit, um alle adäquat begrüssen zu können.

Die Elben und Herr Gaumardas waren jedoch mitnichten zusammen, mit einem gemeinsamen Anliegen erschienen, sondern waren allesamt, zufällig am selben Abend bei den Grenzern aufgelaufen. Während, Werro, Bango und ich, uns nur leicht verwirrt ansahen, teilten sich die beiden anwesenden Grenzbeamten kurzerhand auf, um beiden ratsuchenden Parteien gerecht werden zu können. Grenzerausbilder, Faroweis Birnhaag, lieh dem bekannten Geschäftsmann, Herrn Brockstaedter, sein Ohr und Grenzerhauptmann, Kelko Breitfusz, nahm sich Zeit, um dem Anliegen von Ahilleth und Brevorvien zu lauschen.

Das ganze Palaver wurde aber zunächst nach Innen verlegt, wo es wärmer war und auch ein kräftigender Eintopf auf alle Hungrigen wartete. Vom besagten Eintopf bedienten sich aber ersteinmal nur wir Zivilisten – Bango, Werro und meine Wenigkeit, Beuno Willowtree – und waren anschliessend hin- und hergerissen, welchem der beiden Gespräche wir denn nun zuhören sollten. Als dann auch noch die beiden Elbendamen, Nayel und Vahalla, zu uns stiessen, wurde es erst so richtig voll im Grenzersaal und Kelko beorderte alle vor den Kamin, wo es etwas übersichtlicher zugehen sollte. Grenzer Faroweis erudiertederweil, etwas abseits stehend, dass Herr Gaumardas Brockstaedter, wohl Ärger mit Wölfen auf einem kürzlich von ihm erworbenen Grundstück nahe Brückengau hatte und deswegen seine Arbeiter sich weigern würden, dort mit dem Bau einer Siedlung zu beginnen.

Darum war er zur Grenzerstunde erschienen, um die Hilfe der Grenzer in dieser Angelegenheit zu erheischen. Fräulein Brevorvien, die mitgehört hatte, konnte nur milde Grinsen und entgegnete dem gewieften Bauunternehmer, dass die Elben in den ‚Ered Luin‘ ein grösseres Problem mit Bilwissen hätten, wohingegen Wölfe garnichts wären! Kelko gab an, dass die ‚Grenzer des Auenlands‘ in den ‚Blauen Bergen‘ leider nicht zuständig seien und dort nicht aktiv werden dürften. Aber die Bilwisse waren auch garnicht der Grund, warum die Elben so massiert nach ‚Fuchskleve‘ gekommen waren, wie ihr Anführer, Herr Ahilleth, beruhigend erklärte.

 

Ahilleth: ‚Es geht nicht allein um Bilwisse in den Ered Luin. Es geht hauptsächlich um eine sonderbare Kreatur, die hier in den Auenlanden gesichtet wurde. Garnicht unweit des Hauses hier! Jene könnte die Anwohner und die schöne Landschaft gefährden! Sie ist nicht schön anzuschauen, haben scharfe Klauen und lange Schnäbel!‘

 

Dies machte die Grenzer hellhörig, da die von Ahilleth beschriebene Gefahr unmittelbarer war, als die von Gaumardas erwähnten Wölfe. Dies sah auch der resignierende Makler ein und stimmte Faroweis Vorschlag zu, sein Anliegen erst in der nächsten Woche angehen zu wollen. Grenzerhauptmann Kelko führte dann die ganze Grenzerstundenbesuchergruppe wieder hinaus, damit die vier Elben den Beamten den Aufenthaltsort der erwähnten Kreatur zeigen konnten. Man musste nicht weit gehen, denn gleich den nahegelegenen Hügel hinterm Grenzersmial hinauf, machte Brevorvien uns alle auf einen offenen Holzkäfig aufmerksam, der auf dem Nachbargrundstück stand.

Ahilleth deutete dann mit seinem Finger auf ein nicht gerade schön anzusehendes ‚Schnabeltier‘, welches rasch von einigen Anwesenden als eine grosse ‚Höhlenklaue‘ identifiziert wurde! Da diese Spezie nicht im Auenland heimisch ist, rechnete Kelko Eins und Eins zusammen und mutmasste, dass die Kreatur von der Grundstückbesitzerin, Fräulein F. (Name der Redaktion bekannt), im nebenstehenden Käfig, dorthin transportiert worden sein musste. Noch schlimmer war es, dass Elbenfräulein Nayel zu erkennen glaubte, dass es sich bei der Höhlenklaue um ein trächtiges Weibchen handelte! Da besagtes Fräulein F. nicht daheim zu sein schien – sie öffnete nicht auf mehrfaches Klopfen und Rufen – suchten wir Hobbits rasch die nähere Umgebung nach weiteren Höhlenklauen ab. Glücklicherweise wurden wir nicht fündig und kehrten mit diesen Neuigkeiten, erleichtert zu den Elben und Herrn Gaumardas zurück.

Der geschäftstüchtige Herr Brockstaedter besprach bereits Pläne mit den vier Elben, wonach er Smials mit ‚höhlenklauensicheren‘ Wänden anzubieten gedachte, die so stark und dick waren, dass die Tiere nicht hindurchgraben konnten! Grenzer Faroweis musste den Makler beruhigen und in seinem Wortfluss stoppen, bevor Kelko das weitere Vorgehen kundtun konnte. Zunächst bugsierte man – mit grosser Hilfe der Elben, die es bekanntlich sehr gut verstehen, mit Tieren umzugehen – die verstörte Höhlenklaue, in ihren Käfig zurück und lauschte dann Kelkos Schlussworten. Die Grenzer würden sich zeitnah mit ihrer Nachbarin, Fräulein F., in Verbindung setzen und die Details, das ‚Schnabeltier‘ betreffend, mit ihr zusammen klären, wonach dann das weitere Vorgehen abgestimmt werden würde.

Die Elben würden dann bereitstehen, um das Tier samt Käfig, gegebenenfalls, in seine Heimat zurückzutransportieren. Herrn Gaumardas versprachen die Grenzer in die hohle Hand hinein, dass sie sich anschliessend dann auch um sein ‚Wolfsproblem‘ kümmern würden. So verabschiedete man sich, mehr oder weniger, zufrieden voneinander, wobei den Elbenbesuchern, Vahalla, Nayel, Brevorvien und Ahilleth, nocheinmal ein Extradank für ihre Warnung und die Hilfe, ausgesprochen wurde. So endete eine weitere erfolg- und ereignisreiche Grenzerstunde, die mit erfreulich vielen Besuchern hatte aufwarten können.

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Hui die Grenzer hatten Besuch von Elben. Potzblitz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.