Berichte

Grenzerbericht: Verfolgungsjagd zum Brandywein!

Letzten Dienstag, versammelten sich die 'Grenzer des Auenlands', samt ihrer Stammgäste, erneut zur altbekannten Stunde - der achten des Abends - , im beschaulichen Weiler 'Fuchskleve', wo die tüchtigen Beamten, ja mit dem 'Grenzersmial', ihr Hauptquartier aufgeschlagen haben, um allen Anliegern, mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können.

Bei meinem Eintreffen, kurz vor der achten Abendstunde, fand ich die Grenzbeamten, Sundo, Kelko, Faroweis, sowie ihren Stammgast, Bango Gerstfeld, bereits in heller Aufregung vor, waren sie doch dabei, die Geschehnisse der letztwöchigen Grenzerstunde, nocheinmal Revue passieren zu lassen. Wie im ‚Auenländer Wochenblatt‘ berichtet, hatte ein ‚Langer‘ versucht, in die Bäckerei ‚Smialtörtchen‘ einzubrechen und hatte dabei den Besitzer – den auch an diesem Abend, in seiner Funktion als Grenzerausbilder anwesenden -, Faroweis Birnhaag, die ‚Fontanelle‘ verbeult.

Bevor bei Herrn Birnhaag sämtliche Lichter verloschen waren, hatte er seinen Angreifer noch derart gut in Augenschein nehmen können, das aufgrund seiner Beschreibung, nachdem er wieder zu sich gekommen war, der Delinquent einwandfrei, als der auenlandweit berüchtigte Kriminelle ‚Aardwulf aus Bree‘ identifiziert werden konnte. Hauptmann Sundo hatte nun neue Hinweise, mit denen er uns schnellstmöglich konfrontierte, da eine Person, die auf die Beschreibung passte und zudem noch. mit Mehl verunreinigte Schuhe aufwiess, vor nichtmal einer Stunde und trotz – so es sich denn um den besagten ‚Aardwulf‘ handelte – eines Aufenthaltsverbots, das für das gesamte Auenland gilt, in der Nähe von Bauer Sandsons Hof, bei Michelbinge, gesehen worden war! Sundo war im Laufschritt zu uns geeilt, damit der Gauner vielleicht noch dort aufgegriffen werden konnte.

Da sich der Altgrenzer zu sehr verausgabt hatte, bat er seinen Bruder, Kelko Breitfusz, die Leitung zu übernehmen und sofort eine schlagkräftige Gruppe, zum besagten Gehöft zu führen. Da Bango zu jung für ein solches Unterfangen war und sowieso gleich zum Essen musste, blieben mit Hauptmann Kelko, Grenzerausbilder Faroweis und meiner Wenigkeit, Beuno Willowtree, nur drei einsatzfähige Hobbits übrig. Sofort machten wir uns, quer durch die Hecken, auf den schnellstmöglichen Weg gen Michelbinge, um den letzten bekannten Aufenthaltsort des Einbrechers, genauer unter die Lupe zu nehmen und nach etwaigen Spuren zu suchen. Sundo und Bango verabschiedeten uns salutierend, beziehungsweise, brezelmampfend und riefen uns noch Glückwünsche und gutgemeinte Ratschläge hinterher, als wir auch schon im grünen Dickicht verschwunden waren.

In Michelbinge orientierten wir uns sogleich in Richtung ‚Sandsons Hof‘, wo wir auch bald übergrosser Fusspuren ansichtig wurden, die im frischen Hühnermist, bestens auszumachen waren und in nordöstliche Richtung, zum nahegelegenen Sumpfgebiet wiesen. Der Fährte nacheilend, machten wir unsere nächste Entdeckung an einem Baum, am Ufer des Gewässers, wo Faroweis mehrere ‚ausgezutzelte‘ Eierschalen fand, die eindeutig von Eiern aus Sandsons Produktion stammten. Eine weitere ‚Schalenspur‘ führte weiter gen Osten, wie Hauptmann Kelko bald darauf feststellte.

Die Fluchtrichtung war also klar und passte auch gut zu dem breestämmigen Aardwulf, der sicher nicht wieder im Auenland aufgegriffen werden wollte. Hernach fiel es uns zunehmend schwerer, den Spuren zu folgen, obwohl Kelko und Faroweis, im Gegensatz zu mir, zu den erfahrensten Fährtenlesern überhaupt zählten. Nur mit Glück und einem, schönen, aber unergiebigen, Umweg über Wasserau, gelang es uns schliesslich, bei Oberbühl, ein verlassenes Lagerfeuer, umgeben von den spezifischen Fussabdrücken, ausfindig zu machen, sodass wir wieder Licht am Horizont sahen. Kelko war dieser ‚Beinahverlust‘ jedoch viel zu knapp gewesen, sodass er nun auf seine Erfahrung und sein nicht unerhebliches ‚Gehirnschmalz‘ setzte und versuchte, sich in die Gedankenwelt des Fliehenden hineinzudenken.

Mit dem Ausruf: ‚Brandywein Brücke!‘ sprang er plötzlich auf und hiess, Faroweis und mich, die Beine in die Hand zu nehmen. Wollte Aardwulf wirklich ins Breeland entkommen, war die Brücke der sicherste und nahegelegenste Übersetzpunkt, weswegen man ihn dort sicher abfangen konnte, wenn man nur vor ihn dort eintreffen würde, wie uns der junge Hauptmann, während des Rennens, seine gefassten Schlussfolgerungen erläuterte. Dies leuchtete uns ein und wir zogen das Tempo nocheinmal an, damit wir des Verbrechers auch wirklich noch, vor Verlassen des Hoheitsgebiets der Grenzer, habhaft werden konnten. Bald kam die majestätische Brücke in Sicht und bot sich unseren Augen recht verlassen dar, sodass unsere Hoffnung stieg, dass wir es doch noch rechtzeitig hergeschafft hatten. So gut es ging, platzierten wir drei uns auf strategische Art und Weise derart auf der Brücke, dass wir von der Auenlandseite nicht sofort gesehen werden konnten und warteten gespannt, ob unsere Falle, vielleicht nicht doch, ganz umsonst arrangiert worden war.

Nach gut halbstündiger Wartezeit, als es schon dunkel wurde und unsere Skepsis schon ins Unermessliche angewachsen war, wurden wir doch noch durch sich nähernde Fussschritte belohnt, da diese sich ganz nach einem menschlichen Trittmuster anhörten! Und wahrlich, als wir – die Waffen in Händen – hinter den hölzernen Toren hervorsprangen, wurden wir tatsächlich des gesuchten Missetäters Aardwulf gewahr, der – eine Kiste auf den Rücken geschnallt – schweren Schrittes und keuchend, den Westbogen heraufgestapft kam.

Das glotzäugige, überraschte Gesicht des glatzköpfigen Grenzverletzers, als die Handeisen um seine Gelenke klickten, war alleine schon all unsere Mühen wert gewesen und das wir ihn quasi in letzter Sekunde, vorm Erreichen des für ihn sicheren ‚Breelandbodens‘, geschnappt hatten, setzte dem Ganzen natürlich noch die Krone auf! Kelko und Faroweis verzichteten dann auch darauf, Aardwulf bequemerweise, in Bockland zu inhaftieren und eskortierten ihn sicherheitshalber, ins weiter entfernte Dachsbauten, um auf Nummer sicher zu gehen. Eine eingehendere Befragung und Durchsung der mysteriösen Kiste, wurden deshalb logischerweise, auf die nächste Grenzerstunde terminiert. Ich, euer Reporter, durfte dann die Heimreise antreten, da mir durch das viele Laufen und die Aufregung, schon ganz schummerig vor Augen geworden war. Aber natürlich werde ich demnächst wieder, am Ball bleiben und weiterhin hautnah und brühwarm, von diesem spannenden Fall für Euch berichten, liebe Leser!

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Mairad Flinkfuss

    Gut dass dieser Übeltäter geschnappt wurde. Danke für den Einsatz und Deinen Bericht lieber Beuno

  2. Wie soll ich den bei solchem Getöse auf der Brandyweienbrücke jemals ein Bogü fangen? Der Lärm hätte selbst ein schwerhöriges Bogü verscheucht. Die Bogüjagt war ab der Verhaftung vorüber. Trotzdem ist es beruhigend, daß der Räuber gefasst ist.

    • Beuno Willowtree

      Tut uns leid, liebe Fara! 🙁

      • Ach was solls! Ich lag ja schon einige Stunden auf der Lauer und mein Törtchenbestand neigte sich bedrohlich dem Ende zu. Darum hätte ich sowieso meine Bogüjagt beenden müssen. Ich möchte doch so gern ein Bogü sehen. Am liebste beim Ululieren im Sumpf. Wozu das Ululieren wohl dienen mag?

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