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Grenzerbericht: Traditionelles ‚Käsetopf-Essen‘ im Grenzersmial veranstaltet!

Auch die tüchtigsten Grenzer brauchen einmal eine Auszeit vom nervenzehrenden Beamtendienst und so fand am vergangenen Dienstag, anstelle der sonst üblichen 'Grenzerstunde', ein gemütliches Beisammensein statt, in dessen Mittelpunkt, das traditionelle 'Käsetopfmahl' stand, welches schon seit mehreren Dekaden, immer mal wieder, von den umtriebigen Gesetzeshütern, ausgerichtet wird.

Neben den üblichen ‚Verdächtigen‘ – den Grenzern, Kelko, Sundo und Faroweis, sowie den Stammgästen, Bango Gerstfeld und meiner Wenigkeit, Beuno Willowtree -, die eigentlich stets bei den Grenzerstunden zu finden sind, war erfreulicherweise, auch das Grenzerfräulein Tulpeline Schweinepfote, von der ‚Grünfeldkompanie‘, zum ‚Käseschmaus‘ erschienen. Für mich, der ja bekanntlich keine ‚fermentierten Milchprodukte‘ zu sich nimmt, hatte Kelko übrigens einen speziellen Topf mit deftigem Gulasch bereitgestellt.

Natürlich liess ich auch, Bango und Faroweis, die auch Interesse am würzigen Fleischragout zeigten, gerne von meinem Topf kosten, bevor das eigentliche ‚Tunken‘ mit Brotstücken auf langen Gabeln, vor dem Kamin begann. Das Essen bildet dabei eine Art Wettbewerb, bei dem kein Stück aufgespiesstes Brot, von den Gabeln rutschen durfte! Passierte dies jemandem dennoch, so musste dieser Teilnehmer – den uralten Regeln entsprechend – mit den Füssen knöcheltief in kaltes Wasser steigen. 

Beim wiederholtem ‚Brotverlust‘, müsste man demnach sogar bis zum Bauchnabel im draussen fliessenden Siedlungsfluss eintauchen und nach dem dritten Fauxpas, wurde gar verlangt, eine kleine Runde im eisigen Gewässer zu schwimmen! So waren anfangs alle dementsprechend vorsichtig, als sie ihre brotbestückten Gabeln in den geschmolzenen Käse, beziehungsweise den Gulasch, hineingleiten liessen.

Erstaunlicherweise passierte eine ganze Zeit lang niemandem ein Fehler, sodass alle sich ersteinmal genüsslich die Bäuche vollschlagen konnten. Sogar das Fräulein Tulpeline, die beim letztjährigen ‚Käsetopfessen‘, legendär oft ins Wasser hatte springen müssen, stellte sich sehr geschickt an und handhabte die lange Gabel, als hätte sie dies von Kindesbeinen an gelernt. Anscheinend hatte die Grenzerin viel geübt und nahm unsere lobenden Kommentare sichtlich stolz entgegen.

Jeder hatte seine eigene Art die Brotstückchen in die Masse zu tauchen. Während die Grenzerbrüder, Kelko und Sundo, von ihrer jahrelangen Erfahrung profitierten und Bango – wie gewohnt – ganz sorglos vorging, gebährdete Grenzerausbilder, Faroweis Birnhaag, sich eher vorsichtig und auch der hinzugestossene Herr Samolin, ass äusserst manierlich, schon alleine deswegen, um seine edle Kleidung nicht zu bekleckern.

Trotz allem Training, war es dann doch die gute Tulpeline, der das erste Brotstück in den Topf rutschte und von Sundo nach draussen gebeten werden musste. Am Fluss, wo wir auf das Elbenfräulein Brevorvien trafen, die einen Besuch bei den Grenzern geplant hatte, begab sich die abgehärtete Grenzerin mit ihren Füssen, ohne zu Murren, in die eisigen Fluten und durfte wieder ins Smial zurückkehren. Brevorvien beobachtete das ganze mit hochgezogener Augenbraue, bis ihr erklärt wurde, was hier eigentlich vor sich ging.

Vor dem prasselnden Kamin ging es dann wieder an die Gabeln und die Töpfe, während Sundo der hochgewachsenen Elbenkriegerin, nocheinmal die genauen Regeln des ‚Käsetopftunkens‘ näherbrachte. Brevorvien, die eigentlich gekommen war, um mit ihren Grenzerkollegen etwas ‚Fachzusimpeln‘, schmunzelte leicht, ob der skurrilen Gebräuche von uns Halblingen, stieg dann aber sogleich voll mit ein und tunkte das Brot in den Käse, als gäbe es kein Morgen!

Mittlerweile hatte auch Herr Faroweis seinen ersten Fehler gemacht und ein Stück Brot sauber im Käsetopf versenkt, sodass es wieder hiess: Hinunter zum Fluss! Der peinlich berührte Grenzerausbilder, wollte es dann besonders gut machen und stieg gleich mit ganzem Körper in den kalten Bach, obwohl das Benetzen der Füsse völlig ausgereicht hätte. Leider schlotterte Faroweis danach dermassen, das Sundo ihn sofort nach Hause schicken musste. Dumm gelaufen!

So ging es dann mit einem mulmigen gefühl im Bauch und einem Teilnehmer weniger zurück ins Grenzerhauptquartier, wo die Kessel weiterhin fröhlich vor sich hinköchelten.

Nahezu unbemerkt waren derweil, das Fräulein Sahma und Herr Torbol, eingetroffen, die aber mitnichten wegen des ‚Käsetopfessens‘ gekommen waren. Die patente Hühnerwirtin, Fräulein Sahma, wollte mit den Grenzern über eine ihr wiederfahrene Beleidigung palavern und hatte ihren Bekannten, Torbol, als Zeuge und Unterstützung mitgebracht.

Der Vorwurf der Beleidigung richtete sich überraschenderweise, gegen das Fräulein Tulpeline, die sich wohl abfällig über die neue Frisur von Fräulein Sahma geäussert hatte! Hauptmann Kelko, der sich eigentlich auf einen gemütlichen Abend eingestellt hatte, zeigte sich wenig erfreut über diesen eingehenden Fall, der in seinen Augen lediglich eine Lapalie darstellte und reagierte entsprechend kurz angebunden.

Natürlich musste er sich der Sache trotzdem annehmen und persönlich alle Seiten anhören, da sein Bruder, Sundo, an diesem Abend wohlweisslich, in Zivilkleidung erschienen war und nicht aktiv werden durfte. Das grosse ‚Topftunken‘ ging im Hintergrund derweil ungemindert weiter, obwohl es fast unbemerkt geblieben wäre, dass Elbenfräulein Brevorvien ihr Brotstück im Käse versenkte! Dem scharfäugigen Sundo entging jedoch nichts und er bat die ‚Lange‘ freundlich, aber bestimmt, zum Fluss hinaus.

Brevorvien nahm die ‚kleine Fusswäsche‘ entspannt und konnte sogar herzlich über das kitzelnde Wasser zwischen ihren Zehen lachen. Sundo und ich, nickten uns nur grinsend zu, konnten wir die Einstellung der Elbin zu ihrer ‚Bestrafung‘, doch nur anerkennend loben! Hernach ging es aber – trotz der sprichwörtlichen Krankheitsresistenz der Elben – rasch wieder zurück ins Warme.

Dort wogte noch immer der Disput über die angebliche Beleidigung hin und her und konnte an diesem Abend letztendlich, auch nicht mehr gelöst werden. Kelko schlug Sahma vor, doch einen Extratermin mit Tulpeline und den Grenzern zu vereinbaren, woraufhin selbige jedoch eine Antwort schuldig blieb, da sie sich mittlerweile zu sehr echauffiert hatte und wutentbrannt aus dem Grenzersmial stürmte. Die Grenzerstunde, samt ‚Käsetopfessen‘, war dann aber auch schon ohnehin dem Ende nahe, sodass es bereits zur allgemeinen Verabschiedung überging.

Der restliche Inhalt der Töpfe, wurde von, Kelko und Sundo, auf kleine Lehmkrüge verteilt und den Besuchern als ‚Nachtschmankerl‘ mitgegeben, welche wir alle auch mit grosser Freude entgegennahmen. So endete eine insgesamt sehr gemütliche ‚Schlemmerstunde‘, nach der sich alle, satt und vergnügt, auf ihre jeweiligen Heimwege begaben.

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Tulpeline

    hihi ja das war Lustig. Ich habe in der Tat sehr viel Geübt. Aber leider war ich wieder die erste die das Brot verloren hat. Na ja nächstes mal werde ich nicht mehr die erste sein die ins Wasser muss hihi

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