Berichte

Grenzerbericht: Sundo’s Kulinarische Rundreise – Teil 4!

Der letzte Dienstag stand erneut im Zeichen der ‚Kulinarischen Rundreise‘ der ‚Grenzer des Auenlandes‘. Der Treffpunkt für die nächste Etappe, war – wie immer ab der achten Abendstunde – am Grenzerhauptquartier, in der Südviertelsiedlung ‚Fuchskleve‘. Dieses Mal machte man sich auf in Richtung ‚Dachsbauten‘, wo Grenzerhauptmann Sundo, mit dem Vortrag über die besonderen Spezialitäten des Auenlands, fortfahren wollte.

 

Viele neugierige Besucher hatten sich pünktlich vor dem ‚Grenzersmial‘ in Fuchskleve versammelt, als Reiseleiter, Sundo Breitfusz, leicht verspätet eintrudelte. Grenzerausbilder, Faroweis Birnhaag, der bis dahin friedlich in der grenzereigenen Hängematte geschlummert hatte, wurde durch den Tumult geweckt und musste sich erstmal ordentlich strecken, bevor er begriff, was da eigentlich vor sich ging.

Die Fräuleins, Brevorvien, Hazelnuss und Magritta, sowie die Herren, Kelko, Werro, Bango, Faroweis und meine Wenigkeit, Beuno Willowtree, begrüssten den Grenzerhauptmann herzlichst und waren schon sichtlich begierig darauf, aufzubrechen. 

Sundo: ‚Darf ich um Eure, wenn auch geteilte, Aufmerksamkeit bitten? Also, heute geht es nach Dachsbauten und noch weiter in den Norden, bis nach Hafergut. Bango, du kennst ja den Weg und musst später dann nicht so weit heimgehen. Also, wenn alle damit einverstanden sind, gehts los! Kelko reitet mit Euch vor, ich sammel Nachzügler ein.‘

Der Plan funktionierte einwandfrei, sodass wir in Rekordzeit das beschauliche Örtchen ‚Dachsbauten‘ – die Heimat von Bango Gerstfeld – erreichten und uns am vorher ausgemachten Treffpunkt – dem Dorfteich – wieder versammelten. Als alle wieder vollzählig zugegen waren, begann Sundo mit seinem Bericht über die Besonderheiten dieser formidablen Ansiedlung.

Sundo: ‚Also, Dachsbauten hat so seine Besonderheiten. Dort oben sind einige Wiesen, vom Wald umgeben, mit besonders kräftig schmeckenden Kräutern. Das sind die saftigen Wiesen und Weiden, mit besonders dichtem Grasbewuchs.‘

Sundo: ‚Die Schafe dieser Gegend werden oft erstmal auf den großen Wiesen herangezogen um sie erst kurz vor dem Schlachten, auf die Kräuterwiesen zu treiben. Dadurch bekommen sie dieses straffe Muskelfleisch vom vielen Auslauf und dann bekommt es das besondere ‚Etwas‘ von diesem Kräutermix.‘

Bango: ‚Die Schafe bekommen besonders viel Muskelfleisch, weil sie bei den Golfern immer versuchen, die Äpfel zu mopsen!‘

Kelko: ‚Ich habe hier Pobehäppchen von Lammkarree dabei, das reicht für alle!‘

Sundo: ‚Jeder darf sich was nehmen und prüft mal das saftige Fleisch.‘

So wurde erstmal ausgiebig geschlemmt, wobei zum Ausgleich auch noch die saftigen ‚Dachsbautener Rötlinge‘ – eine heimische Apfelsorte – auf den Tisch kamen. Alle zeigten sich beeindruckt von den wohlschmeckenden Köstlichkeiten, wobei es natürlich vordergründig um das Lammfleisch ging.

Sundo: ‚Wer die Chance hat hier im Frühjahr, bei der ersten Schlachtung zugegen zu sein, wird das ganz besonders zarte Fleisch zu Kosten bekommen.‘

Werro: ‚Und wenn man das Lamm nicht ausnimmt, sind die leckeren Kräuter noch mit drin!‘

Sundo: ‚Die Minze, die nimmt manchmal etwas , nunja, die Strenge und wächst hier in Richtung des Waldes und auch am Rande der Felder. Nun etwas Wichtiges zu den Kochutensilien. Wichtig ist es, dass man immer gute, scharfe Messer hat, ohne die ist das Zerlegen eines Schafes eine Tortur, sowohl für den Koch, als auch für das Fleischstück. Man braucht mindestens drei verschiedene Messer, alle scharf, flexibel und und in verschiedenen Größen und Stabilitäten.‘

Bango sagt: ‚Je mehr Messer, desto besser!‘

‚Sundo: ‚Dann die Pfanne: geschmiedet und gut eingebrannt! Gaaanz wichtig! Die Schmortöpfe sind hingegen aus Eisenguss, diese sind rauh und müssen nicht eingebrannt werden. Dann der Schafmagen…ja, das ist so eine Sache. Man muss den Magen gut auswaschen, mit der Füllung, mit Grütze, Würze und Innereien steht und fällt die Qualität. Auch der bekannte *Schwarze Pudding* kommt von hier, auch wenn die Balgfurter den für sich vereinnahmen.‘

Dann begaben wir uns auf den Weg nach Hafergut, wobei wir kurz auf dem Hügel beim Grünfeld innehielten, um das Panorama dort zu geniessen. Fräulein Hazelnuss hatte beim Anblick der äsenden Schafe – und der, hier und da, herumstreifenden Wölfe -, dann noch eine spontane Frage in petto.

Hazelnuss: ‚Wie bewerkstelligen es die Einwohner so viele Schafe auch sicher übers Jahr zu bringen? Ich weiß, wir in Oberbühl haben auch sehr viele Raubtiere in der Gegend.‘

Sundo: ‚Es gibt hier wenige. Und die Grenzer hier haben es geschafft die Wölfe immer wieder zu vertreiben. Ab und an kommt ein Tier über den Brandywein, aber selten. Die hiesigen Wachhunde sind auch sehr furchteinflössend.‘

Hazelnuss: ‚Vielen Dank, meine Frage ist für mich beantwortet.‘

Sundo: ‚Gut, nun geht es aber nach Hafergut.‘

In Hafergut angekommen, ging es einen steilen Anstieg hoch, zum grössten Hof der Gegend, der für seine Gemüse und Tabakproduktion, über die Grenzen hinaus, berühmt war. Schnaufend und schwitzend, bewältigten alle Exkursionsteilnehmer den kurzen, aber sehr anstrengenden Weg.

Sundo: ‚Also, Hafergut verkauft Unmengen an Gemüse, sie haben richtig schmackhafte Töften und auch der Tabak ist nicht zu verachten. Sie haben auch noch etwas anderes: Die Dinge die sie in ihren eigenen Gärten ziehen und nicht verkaufen. Auch Töften, Kohl und Wurzelgemüse, aber etwas anders gezogen, mit mehr Arbeit. Dieses Gemüse ist noch feiner, noch würziger, noch saftiger! Es steckt einfach mehr Arbeit darin, der eigene Garten wird mit gleich viel Arbeit beackert, wie die Großen da draussen und das bei nur einem Bruchteil der Fläche. Da wird nicht nur Gepflügt, da wird mit Schaufeln, Hacken und Stöcken, der Boden gelockert!‘

Sundo: ‚Folgt mir mal und seht euch diese sauber gepflegten Äcker an!‘

Dieser Aufforderung folgten wir nur allzu gerne, denn die ummauerten Ackerflächen waren wahrlich beeindruckend. Sundo hatte nicht zuviel versprochen, denn die Krume zeigte sich in exzellenter Verfassung und war viel ordentlicher, als man das sonst im Auenland gewohnt war. Nur erstaunlich viele hungrige Mäuse tummelten sich dort, da sie keine zurückgelassenen Körner vorfanden, weil schon ZU gut aufgeräumt worden war.

Sundo: ‚Seht mal heir, alle Hecken sind hoch genug, dass sie den Wind abhalten und doch alle so, dass sie keinen Schatten werfen. Dort ist Gebüsch, nicht wahr? Aber darunter ziehen sie Pflanzen vor, die erstmal Schatten brauchen. Ich wurde mal von einer alten Vettel mit ihrem Gehstock verprügelt, weil ich es wagte, einen Fußabdruck in ihr Feld zu machen. Sie hat mir eine Rippe angebrochen!‘

Weiter oberhalb, zeigte uns unser Reiseleiter Sundo noch ein weiteres Feld, dass schon eine Phase weiter war, als der erstgesehene Acker.

Sundo: ‚Seht hier, frisch gepflügt, Mist untergepflügt und nochmal geglättet mit der Egge!‘

Doch plötzlich hörte man aufgebrachte Stimmen und Klagen, von den Nachzüglern her, sodass sich alle rasch dorthin orientierten.

Augenscheinlich hatte Herr Faroweis, wiedermal einen seiner kleinen ‚Scherze‘ abgezogen und das Fräulein Hazelnuss, von der kleinen Mauer auf den Acker geschubst! Er wiegelte ab und behauptete, ihr nur hatte dort Herunterhelfen zu wollen. Die Geschädigte sah dies allerdings ganz anders.

Hazelnuss: ‚Nein! Meine Knie sind aufgeschürft. Der Gemeinling hat mich von der Mauer geschubst!‘

Magritta: ‚Sowas gehört sich aber nicht!‘

Kelko: ‚Nein, Faro würde so was nicht machen.‘

Sundo: Naja solange du nicht ins Feld geplumpst bist und die Setzlinge geknickt hast, passiet dir nix.‘

Hazelnuss: ‚Ich finde das überhaupt nicht höflich!‘

Als die Wogen dann wieder geglättet und Hazelnuss‘ Wunden versorgt worden waren – ich hatte zum Glück etwas Bogüfett dabei! -, fuhr Sundo damit fort, die Vorteile des Ackerbaus vor Ort zu erklären.

Sundo: ‚Auch hier, die genau bemessenen Hecken die den Wind abfangen und aber die Sonne nicht zurückhalten.‘

Zahlreiche Hühner pickten auf der frisch gepflügten Scholle nach Würmern, sodass Bango erst vermutet hatte, dort würden das wohlschmeckende Federvieh angebaut!  Lachend ging es dann weiter, zu einer ganz besonderen Anbaufläche.

An einem Grundstück mit Hanglage, wo tatsächlich Trauben angebaut wurden, stieg Werro kurzerhand in den leeren ‚Stampfbottich‘ und hub zu einer spontanen ‚Büttenrede‘ an, was erneut heftiges Gelächter innerhalb unserer Wandergruppe generierte! Dem pensionierten Pfeifenkrautbauern, stand der Bottich aber wirklich gut, wie alle zugeben mussten!

Dann kam aber wieder Sundo zu Wort, der einiges Interessantes über den einzigartigen Weinanbau in Hafergut zu sagen hatte.

Sundo: ‚So, noch etwas Wichtiges. Der *Haferguter Hangträufler* ist ein exzellenter Wein! Er wird hier angebaut und durch die sehr gute Lage, den Boden und die vielen Sonnenstunden, ist er sehr schön dunkel. Wenn ihr also mal bei einem Bauern hier zum Essen eingeladen werdet und ein Wein von hier auf dem Tisch steht, greift zu. Das ist dann ein Essen der Sonderklasse!‘

Dann war die Grenzerstunde leider schon wieder um und Sundo verabschiedete sich dankend, bei allen Mitwanderern und Gästen.

Sundo: ‚So, ich hoffe dass ihr euren Spass hattet! Vier Wochen lang, jeweils einen Vortrag zu halten, hab ich noch nie gemacht. Mir hat es Spass gemacht und ich freu mich aber auch wieder drauf, daheim in der Stube die Füße hochzulegen!‘

Alle bedankten sich bei Sundo und Kelko, für ihre Mühen und die lehrreiche Führung und kamen nocheinmal für eine Gruppenskizze zusammen.

Sundo: ‚Dann wünsch ich noch allen, ein gutes Heimkommen! Eventuell nimmt uns ja ein Bauer auf seinem Karren bis Dachsbauten mit.‘

So war es dann auch, sodass alle gut nach Hause kamen und daheim – bei einem ausgiebigen Nachtmahl – über das Neugelernte nachdenken konnten!

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Hazelnuss Kleinbau

    Was für ein schöner ausführlicher Bericht! Qualitativ wie immer und genau so toll wie die Wanderung selbst. Ich möchte nur gesagt haben, dass sich Herr Faroweis nach allen Regeln eines Chavaliers und Grenzers bei mir für das Missgeschick entschuldigt hat. Nicht dass die Leute, schlecht von ihm denken.

    • Beuno Willowtree

      Dankeschön, für das Lob, liebe Hazel! 😀 Und das mit der Entschuldigung kann ich nur bestätigen. *nickt*

  2. Huhu! Vielen Dank Beunolein, für den ausführlichen Bericht!

    Früher war der Faro mal ein ganz Lieber. Er hat mir Tee gebrüht und mich vor aufdringlichen Elben beschützt. Er hat mir sogar mal eine Holzfigur geschnitzt. Aber seit einiger Zeit ist das nicht mehr so. Er schätzt meine Leistungen als Grenzerin gering und ist auch zu meiner Schwester unfreundlich.

    • Beuno Willowtree

      Gerne doch, liebe Fara! 😀 Ich glaub, der Faro war nur etwas im Stress, die letzte Zeit.

  3. Tulpeline

    Hui toll. Sundo hat recht. Um Dachsbauten am Waldrand findet man sehr viele tolle Kräuter. Ich gehe dort öfters Sammeln und nehme sie mit nachhause zum Kochen. Und den Wein aus Hafergut hatte ich auch schon einige male. Ein sehr guter Tropfen.

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