Berichte

Grenzerbericht: Sundo’s Kulinarische Rundreise – Teil 1

Der letzte Dienstag stand wieder ganz im Zeichen der Sprechstunde der 'Grenzer des Auenlandes', der sogenannten 'Grenzerstunde', deren Treffpunkt - wie immer - ab der achten Abendstunde, am Grenzerhauptquartier, im beschaulichen Weiler 'Fuchskleve' festgelegt worden war.

Die Grenzerbrüder, Kelko und Sundo Breitfusz – letzterer war in Privatkleidung erschienen, da er eigentlich dienstfrei hatte -, zeigten sich hocherfreut, als sie bei ihrer Ankunft auf dem Grenzergelände, bereits zahlreicher Besucher der ‚Grenzerstunde‘ antrafen. Grenzerausbilder, Faroweis Birnhaag, Pensionist, Werro Hanfstengel, Elbenfräulein Brevorvien, ‚Essperte‘, Bango Gerstfeld und meine Wenigkeit, Beuno Willowtree, waren schon anwesend und harrten der Dinge, die da kommen mochten.

Das etwas Besonderes in der Luft lag, hatten wir nämlich sofort gemerkt, als wir Sundos taubenblauen Samt-Wamses ansichtig geworden waren. Unsere Vermutungen wurden dann auch bestätigt, als Sundo, nach der allgemeinen Begrüssung, die sprichwörtliche ‚Katze‘ aus dem Sack liess. Auf seine formidable Rede beim ‚Dreivölkerfest‘ ( Bericht ebenfalls in dieser Ausgabe ) aufbauend, hatte die Grenzerhauptmänner etwas Besonderes für uns vorbereitet.

Sundo: ‚Wir wollen euch heute entführen! Ich habe doch neulich von den Kostbarkeiten des Auenlandes erzählt. Wir machen heute deshalb eine Wanderung, um all die Leckereien zu testen, die ich darin erwähnt hatte. Wir werden uns als Erstes nach Michelbinge begeben, um dort etwas zu erfahren über Käse und die Weiden die es dort gibt. Sahne und Butter kommen auch von dort, keine Angst, Beuno!‘

Während die anderen hocherfreut, ob dieser Worte, in Jubel ausbrachen, war ich weniger enthusiastisch darüber, fermentierten Milchprodukten nahezukommen. Immerhin wurde ja niemand gezwungen davon zu kosten, weswegen ich die Zähne zusammenbiss und gute Miene zum ‚bösen‘ Spiel machte. Rentner Werro hatte gesundheitlich leider einen schlechten Tag erwischt und war nicht in der Lage, selbst auf seinem Pony zu reiten.

Grenzer Faroweis bot sich daraufhin kurzerhand an, den pensionierten Pfeifenkrautbauern, in der smialeigenen Schubkarre gen Michelbinge zu schieben, damit auch er an der Führung teilnehmen konnte. Gerne nahm Werro dieses edle Angebot an und machte es sich auf den alten Herbstlaubresten, die sich noch in der reperaturbedürftigen Karre befanden, gemütlich. Derart präpariert konnte es dann im Schritttempo in Richtung Michelbinge losgehen, wir anderen auf unseren Ponies und Faroweis, mit Werro in seiner Schubkarre, quietschend unserem Tross folgend. Trotz dieser kuriosen Formation, erreichten wir Michelbinge doch recht schnell, wo Sundo uns zuersteinmal am alten Grenzersmial, welches den ‚Grenzern des Auenlands‘ in ihren Anfangstagen als Unterschlupf gedient hatte, haltmachen liess.

Sundo: ‚Also, beginnen wir an diesem geschichtsträchtign Ort. Hier ist das alte Archiv, unsere erste Grenzerstube, zwischen Aktenstapeln! Ein Glück bekamen wir dann unsere jetzige Stube zugewiesen… hat aber gedauert! Wir gehen nun am ‚Adler und Kind‘ vorbei zur Aussicht auf die Wiesen.‘

Elbenfräulein Brevorvien, die wohl noch nie in Michelbinge gewesen war, zeigte sich sehr erstaunt über das bunte Treiben in der ‚heimlichen Hauptstadt‘ der Hobbits und konnte sich ein entzückt-amüsiertes Lächeln nicht verkneifen.

Brevorvien: ‚Das ist also Michelbinge!‘

Zum Bedauern einiger in unserer Gruppe, das berühmte Michelbinger Gasthaus links liegenlassend, machten wir erst im ‚Niemandsland‘, zwischen Michelbinge und Lützelbinge – wo sich die saftigsten Weidegründe befinden – in der Nähe zweier friedlich grasender Kühe, wieder Halt, wo, erfreulicherweise, noch das Hobbitfräulein Geomee und Grenzerrekrut der Grünfeldbrigade, Samolin Schwarzfuss, zu uns stiessen.

Sundo: ‚Die Kühe hier können sehr friedlich Grasen, der Sumpf ist recht weit weg, und zum Hof vom Sandson, wo sie gemolken werden ist es nicht weit. Die Kühe wissen wann und wo sie dran sind und gehen selbstständig zu ihrem Melkplatz. Die Milch wird dann in die Käserei gebracht, wo sie zu den verschiedensten Käsesorten verarbeitet wird. Die Käsesorten haben den Ruf, besonders würzig zu sein und besonders kräftig in der Farbe, was auf die Kräuter der Gegend zurückzuführen ist.‘

Ich kam aus dem Husten kaum raus, bei all den Erwähnungen von fermentierten Milchprodukten, aber zum Glück war Sundo – nachdem er noch die Zusammenstellung eines Käsetopfs erklärt und Bango mitgeteilt hatte, dass bei dieser Führung keine Käserei besichtigt werden würde – dann auch durch mit diesem unappetitlichen Thema, sodass wir endlich wieterziehen konnten.

Querfeldein kürzten wir den Weg zu unserem nächsten ‚kulinarischen Stop‘ – dem schönen Hobbingen – kurzerhand ab, wobei Werros Schubkarre dann leider endgültig den Geist aufgab und er die letzten Meter, gestützt von Faroweis und Samolin, zu Fuss zurücklegen musste. Auf dem Platz zwischen Mietstall und ‚Efeubusch‘, wiess uns Sundo dann auf die Hänge des ‚Bühls‘ hin, die von unserem Standpunkt aus, gut zu erkennen waren.

Sundo: ‚Also, seht mal dort den Hang hinauf, am Festzelt vorbei. Dort in der Sonne liegen die Obstgärten des Bühls. Durch die Lage bekommen die Bäume viel Sonne und dank des guten Niederschlages am Bühl, bekommen sie genug Wasser. Hier werden die großartigen ‚Hobbinger Apfelkuchen‘ gebacken, aus ebenjenen Äpfeln!‘

Auf Sundos Wink hin, verteilte Kelko dann an alle, einen eigens dafür mitgeführten Apfelkuchen, fast bevor noch Bango und Geomee, danach fragen konnten. Natürlich griffen auch alle anderen dankend zu, sodass Hobbingen kurz darauf, von einem lauten Geschmatze widerhallte.

Sundo: ‚Wie ihr merkt, ist es eine langanhaltende Süsse, die dann zwischendrin, gleich nach dem Kauen, eine kurze saure Note hervorbringt. Die Säure kommt von der Apfel-Sorte, die Süsse ist ein Zeichen für die Herkunft. Das Getreide kommt von hier, mit Buckelstädter Getreide gemischt. Das gibt diese helle Note im vergleich zu den Blaubeerkuchen der Wasserauer.‘

Zufällig traf dann das Hobbitfräulein Fehlinchen, die Cousine von Fräulein Geomee, auf unseren Trupp und wurde natürlich sofort – wie es nunmal Hobbitart ist – zum Verköstigen des Kuchens eingeladen. Auch wenn es da bereits am Ende der Grenzerstunde war, freute sich Sundo und wir alle, über die Ankunft des hübschgekleideten Hobbitfräuleins.

Sundo: ‚Dass der Vortrag so gut besucht sein würde, hätte ich nicht gedacht!‘

Kelko: ‚Wir machen gerade eine kulinarische Reise, Fehlinchen.‘

Geomee: ‚Es gibt Kostproben!‘

Fehlinchen: ‚Oh, Kuchen, dankeeee!‘

Sundo hatte noch einen kurzen Nachtrag zu der Hobbinger Spezialität in petto, bevor der erste Teil der Führung dann zuende gehen sollte.

Sundo: ‚Achja, der Teig, der wird traditionell auch mit einem Extralöffel Butter gemacht, damit er sich gut aus der Form löst, und der hiesige Kuchen ist fast immer gedeckt. Es gibt da eine einzige Ausnahme! Der Straffgürtel aus dem Westen, macht keinen gedeckten Kuchen, er nimmt keine Apfelschnitze sondern Kompott! Wenn ihr mal die Chance bekommt einen zu probieren, greift zu. Und dank des gut haltbaren Kompotts sind die das ganze Jahr durch von äusserst guter Qualität. So, das war der erste Teil unserer kulinarischen Reise durchs Auenlande. Nächste Woche gehts dann wohl weiter, ich denke wir werden Wasserau und Waldhof abhandeln können, beziehungsweise gehen wir über Buckelstadt, dann ist erst der Honig und Schinken dran.‘

Grosser Beifall, Lob und Jubel, waren der verdiente Lohn, für die tolle Führung der Grenzerbrüder, die für manche recht überraschend und spontan dahergekommen war. Viele taten kund, auch beim nächsten Mal wieder mit dabeisein zu wollen und verabschiedeten sich, satt und erwartungsvoll, von den Grenzbeamten und einander. So fand eine weitere, erfolgreiche Grenzerstunde, ihr würdiges Ende.

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Huugo Haarfuss

    Sehr schöner ausführlicher Bericht Beuni

  2. Dis war voll interessant. Beuno war von der Käseproduktion nicht sonderlich begeistert.

    Fehlinchen ist die Cousine von Yome, aber da sie auch eine Flauschi ist, ist sie irgendwie auch mein Cuosinchen.

  3. Tulpeline

    Hui ein interessanter Artikel. Da hat der ein oder andere sicher was gelernt.

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