Berichte

Grenzerbericht: Schnapsumtrunk bei Knoblauchhahn!

Die Grenzerstunde in der vergangenen Woche, fand wie immer, am Dienstag zur achten Abendstunde statt. In der beschaulichen Siedlung 'Fuchskleve', am 'Grenzersmial' in der Bachuferstrasse, empfingen die Beamten wieder jeden Mitbürger, der ein Anliegen an sie vorzubringen hatte.

Da die sommerlichen Wochen sich erfahrungsgemäss, aufgrund der Hitze und der daraus resultierenden Trägheit, die ja auch vor den kriminellen Elementen der Gesellschaft keinen Halt machen, meist sehr ruhig für die Grenzer ausfallen, mutierte das letztwöchige Treffen zur Grenzerstunde, auch mehr zu einer Art ‚Familientreffen‘ mit ausgiebiger Schlemmerei, als zu einem typischen Arbeitstag der Beamten. Untypisch, aber umso erfreulicher, war der Anblick des Fräulein Petrasilie, der sich mir beim Eintreffen, vorm Eingang des Grenzerhauptquartiers bot, wo die elegante Hobbitdame, die eine sehr gute Freundin der Grenzerbrüder, Kelko und Sundo Breitfusz, ist, bereits mit Grenzerausbilder, Faroweis Birnhaag und Altgrenzer Sundo, im Gespräch vertieft, auf weitere Besucher wartete.

Lange war Fräulein ‚Petra‘ nicht mehr bei einer Grenzerstunde zugegen gewesen, weswegen sie von allen noch herzlicher begrüsst wurde, als dies ansonsten ohnehin der Fall gewesen wäre. Dieses überschwängliche Willkommen, freute sie sehr, war ihr jedoch auch sichtlich unangenehm, wie man leicht an ihren geröteten Wangen ablesen konnte. Zum Glück für sie, wurden wir dann abgelenkt, als nahezu zeitgleich, Kelko Breitfusz, Bango Gerstfeld – mitsamt Papierdrachen – und Werro Hanfstengel, eintrafen, wodurch eine neue Begrüssungswelle ausgelöst wurde, die mehrere Minuten bis zum Abebben benötigte.

Dann ergriff Grenzer Faroweis das Wort, der die ganze Zeit schon so gewirkt hatte, als würde ihm etwas auf der Seele brennen. Schliesslich rückte er damit heraus, dass er drinnen im Hauptsaal, ein Festessen für uns alle vorbereitet hatte, zu welchem er uns nun ins Grenzersmial hineinbat. Bango war natürlich als Erster im Innern verschwunden und auch wir anderen mussten nicht zweimal Gebeten werden und folgten dem immerhungrigen ‚Essperten‘ auf dem Fusse. Die Hauptgewürz-Zutat hätte Faroweis garnicht verkünden brauchen, umfing uns doch sofort, ein intensiver Knoblauchgeruch, als wir den geräumigen Saal enterten! Petrasilie schlug erfreut die Hände zusammen, als der Smialtörtchenbesitzer endlich die ‚Katze aus dem Sack liess‘ und bekanntgab, dass am Spiess über dem Kochfeuer, ein Dutzend fetter Knoblauchhähnchen rotierten und nur unserer harren würden!

Rasch bedankten wir uns bei Faroweis und eilten hinüber zu Bango, der bereits das erste Hähnchen, bis auf die Knochen abgenagt hatte. Während wir alle Kauten und Schmatzten, erklärte der Grenzerausbilder, dass dieser ‚Hühnerschmaus‘ eine kleine Entschuldigung seinerseits, für sein unausgeglichenes und mürrisches Verhalten in den letzten Wochen, darstellen sollte und auch ein ‚Dankeschön‘ für seine Kollegen war, die ihm trotz allem, stets loyal zur Seite gestanden hatten. Eine nette Geste, fürwahr, die zufällig ja auch mit der Wiederkehr von Petrasilie zusammenfiel, welche nur staunen konnte, wie exzellent die Grenzer sich mittlerweile gemausert hatten und wie gut selbige nun speisten, hatte sie von ihrem letzten Besuch, vor einigen Jahren, doch nur noch eine dünne Hirsesuppe in Erinnerung! Als ich dann zum Nachtisch, noch ein Blech mit ‚Bockländer Nougatkränzchen‘, die ich zusammen mit Torbol für die Beamten gebacken hatte, präsentierte, fielen Petrasilie und Bango gleichermassen, aus allen Wolken und griffen – trotz Faroweis Rüge, dass ich den Backstubenofen widerrechtlich benutzt hätte – ordentlich zu und auch, Werro, Sundo und Kelko, liessen sich diese Spezerei nicht entgehen.

Nach dem opulenten Mahl am heissen Grillfeuer, waren wir dann alle etwas matt und verschwitzt, weswegen uns Sundo, hinunter in die kühleren Kellerräume einlud, wobei er uns auf den Weg dorthin, von seinen ‚Renovierungsplänen‘, das Grenzersmial betreffend, erzählte. Die Renovierung sei dringend mal wieder nötig, da seit Jahren keine Ausbesserungen mehr vorgenommen worden waren und der Verfall immer deutlicher wurde. So leckte, zum Beispiel, das grosse Weinbrandfass im Hauptsaal, schon sehr stark, weswegen dort stets ein scharfer Geruch in der Luft lag, wie der Altgrenzer uns bewiess, als er uns in die Nähe des grossen Behältnis führte. Sundo hoffte, Bürgermeister Willi Weissfuss, bei einem künftigen Essen, zu dem er eingeladen worden war, von einem Zuschuss für die Renovierung, überreden zu können. Kelko schien die Antwort des fettleibigen Stadtoberhaupts schon voraus zu ahnen, schüttelte er doch nur resignierend mit dem Kopf, als wir in den Keller hinabstiegen.

In dem merklich kühleren Raum, erwartete uns zudem noch, eine grosse Schüssel erfrischender ‚Roter Grütze‘ in eiskalter Milch, die jetzt natürlich genau das Richtige war, um die niderschmetternden Gedanken an die Instandsetzungskosten, wieder vergessen zu machen. Auch Petrasilies anschliessender ‚Kniff‘, Sundos Stimmung aufzuheitern, indem sie ihn davon überzeugte, doch mal seine bunteste ‚Festkleidung‘ anzulegen, tat sein Übriges dazu bei, die Grenzerstunde in heiterer Atmosphäre ausklingen zu lassen.

Der wirklich adrett aussehende Sundo, der in seinem bunten Kostüm, durchaus für Erstaunen in unseren Reihen sorgte und damit sogar Beifall und Verbeugungen erntete, fühlte sich dann so geschmeichelt, dass er uns noch zu einem ‚Abschluss-Brandwein‘, hinauf zum Fass zurück bat. Da konnten wir anderen natürlich schlecht ablehnen und gönnten uns noch das eine, oder andere, Gläschen des ‚Dreifachbrands‘, sodass die Erinnerungen ans Ende der Grenzerstunde, schliesslich in einem grünen Nebel aus Kopfschmerz und Alkoholdunst verschwammen und Visionen von fernen Orten, in unseren brummenden Schädeln, heraufbeschworen! Ich kann nur hoffen, dass alle bis zum nächsten Treffen, wieder nüchtern und schmerzfrei erscheinen mögen!

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Gutzndaifi

    Hahaaahhh . . . bsuffa.

  2. Das hast du sehr schön geschrieben. Beuno, du bist ein Künstler mit der Feder. Egal, ob Schrift oder Malerei.

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