Berichte

Grenzerbericht: Gruselspuk und Feuerodem in Baumgart!

Vergangenen Dienstag, zur achten Abendstunde, versammelten sich wieder die 'Grenzer des Auenlands', mitsamt ihrer Gäste, im beschaulichen Weiler 'Fuchskleve', vor dem Grenzerhauptquartier, um für Hilfesuchende, oder Anzeigensteller, dazusein. Die Hauptmänner, Sundo und Kelko Breitfusz, hatten, wie immer, für alle Probleme und Sorgen ihrer Mitbürger, ein offenes Ohr zu verleihen...

Allerdings warteten die Grenzer dieses Mal nur eine knappe Höflichkeitsviertelstunde, auf weitere, eventuelle Besucher, waren mit den Stammgästen, Bango Gerstfeld, Werro Hanfstengel und meiner Wenigkeit, Beuno Willowtree, sowie den Grenzbeamten, Sundo und Kelko Breifusz und der Antragsstellerin und Hauptperson des Abends, dem Hobbitfräulein Gabiola, alle erwarteten Personen vor Ort, die sich auf eine Begehung, eines vermeintlichen ‚Spuk-Smials‘, vorbereitet hatten. Fräulein Gabiola hatte die Grenzer in der letzten Woche, um eine gemeinsame Besichtigung des Objekts gebeten, welches sie anzumieten gedachte, ihr aber – ob dessen schlechten Rufs – doch nicht ganz geheuer war.

Neben der Inaugennahme der angeblichen ‚Gruselaktivitäten‘, wollten die handwerklich kundigen Brüder, Sundo und Kelko, auch gleich noch eine volle Inspektion der Wohnstatt, mitsamt Balkenwerk- und Kaminbeschau, durchführen, damit einem baldigen Bezug auch wirklich nichts mehr im Wege stehen würde. Gut bewaffnet, mit ‚geweihten‘ Keulen, Mistgabeln, leuchtstarken Laternen und allem, wovon geglaubt wurde, dass es Geistern Einhalt gebieten könnte, ging es dann, nach besagter Wartezeit, auf gen ‚Baumgart‘, der Siedlung, wo das Smial sich befand, wie Gabiola uns mitgeteilt hatte.

Wären nicht alle so nervös gewesen, wär der kurze, gemütliche Ritt, eine angenehme Unternehmung gewesen, doch wohl nur der gleichmütige Bango, der einen Picknickkorb in Reichweite auf seinem Pony ‚Mampfer‘ mitführte, konnte die Anreise wirklich geniessen! Überraschenderweise machte das Smial zwar einen verlassenen, ansonsten doch noch recht ordentlichen Eindruck, wie wir nach unserem Eintreffen dort, feststellen konnten.

Wie in den typischen Gespenstergeschichten, war just mit unserem Ankommen, die Abendämmerung hereingebrochen, was natürlich erheblich zum allgemeinen Gruselfaktor beitrug und wir deshalb beschlossen, erstmal den verwilderten Garten in Augenschein zu nehmen, was uns sicherer erschien. Fräulein Gabiola, die sich natürlich am besten auskannte, führte uns herum und zeigte uns die wenigen ‚Attraktionen‘, die wohl noch vom Vorbesitzer zurückgelassen worden waren. Während Hauptmann Kelko, einen seltsamen ‚Zwien‘ ermahnte, der in der Nähe über die Weidezäune balancierte, wurde ich auf eine ‚Zitterweide‘ aufmerksam, die zu einhungert Prozent, aus Bockland stammte, wie ich den anderen versicherte. Bei dem Baum war allerdings keinerlei ‚Schwarze Magie‘ im Spiel, da diesen Pflanzen die Eigenschaft innewohnt, mit der Zeit ein Eigenleben zu entwickeln, was völlig normal ist.

Derart beruhigt besahen wir uns einen glitschigen, überwachsenen Gartenstuhl, der unsere Neugier erregte, da Geister angeblich, oft einen derartigen ‚Schleim‘ – oder ‚Plasma‘ –  absondern, wenn sie mit weltlichen Gegenständen in Berührung kommen. Allerdings sahen wir von einer ‚Stuhlprobe‘ ab, da keiner von uns, im Umgang mit diesen Substanzen Erfahrung aufweisen konnte und dies deswegen sinnlos erschien. Auch ein versumpftes Basin, dessen Zustand Werro besonders genau ‚auf den Grund‘ ging, erwies sich als harmlos und lediglich der Geschmack des Brackwassers, konnte als ‚grausig‘ tituliert werden.

Da damit im Aussenbereich alles soweit in Ordnung war, wagten wir uns dann schliesslich ins Smial hinein, um den Auslöser der ‚Spukgerüchte‘ endlich ausmachen zu können und tatsächlich vernahmen wir schon bald verdächtige Geräusche, die minichten von der dort hängenden Elchkopftrophäe herrührten, wie Werro recht rasch erudiert hatte. Immerhin konnte Sundo den Kaminen im Hauptraum, ‚grünes Licht‘ erteilen, was Gabiola sehr freute, da sie so erheblich an Reparaturkosten sparen würde. Der Altgrenzerhauptmann war sich jedoch sicher, dass im Smial noch eine weitere Feuerstätte existieren musste, sodass wir weiter durch die Räume gingen, wobei wir noch mehrmals, durch das vorher erwähnte Geräusch, erschreckt wurden, welches lauter wurde und sich wie eine Art ‚Fauchen‘, beziehungsweise ‚Grollen‘ anhörte.

Im hintersten Raum, dessen Eingang teilweise durch ein Regal verstellt worden war, entdeckten wir letztendlich des ‚Pudels Kern‘ der ganzen Geschichte, welcher uns alle staunend, Augen und Münder aufreissen liess! War es doch eher eines ‚Drachen Kern‘, durch den die ganze Spukgeschichte aufgelöst werden konnte, hockte dort, im arg verbrannten Kamin, doch tatsächlich ein junger, echsenartiger ‚Wurmling‘, welchen Kelko wahrhaftig, als ‚echtes Drachenbaby‘ identifizierte! Den Kamin hatte selbiger anscheinend höchstselbst geschwärzt, wie uns klar wurde, als der Kleine, immer wieder seinen heissen Feuerodem hervorstiess, was uns beinahe die Fusshaare gekostet hätte! Immerhin hatten sich aus seinen samtigen Schuppen, zahlreiche Goldstücke – die sicher aus dem Schatzhort seiner Eltern stammten – gelöst, die mehr als nur für die Instandsetzung des Kamins reichen würden, wie Gabiola erfreut feststellen konnte.

Die Theorie der Grenzer ging dahin, dass dieses Jungtier, beim Überflug in den Kaminschacht gestürzt sein musste und dann hilflos hier verblieben war. Gabiola hatte währenddessen, bereits ihr Herz an den hübschen ‚Wurmling‘ verloren, welcher auch sie anscheinend, ganz gut leiden konnte. So rang sie Sundo und Kelko, deren Zustimmung ab, dass sie den Drachen vorerst behalten und sich um ihn kümmern durfte, solange niemand dabei zu Schaden kommen, oder selbiger zu einer gefährlichen Grösse heranwachsen würde. Gabiola jubelte vor Freude, da sie nun das Smial erstehen und sogar schon einen Hausgenossen und Mitbewohner, ihr Eigen nennen konnte.

So endete diese Grenzerstunde, quasi mit einem doppelten Erfolg, der Lösung einer gruseligen ‚Munkelei‘ und der Hilfestellung für ein Hobbitfräulein, die nun angstfrei und mit unerwartet erlangten Reichtum, ihr neues Heim beziehen konnte. Zufrieden, mit dem Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, zogen wir deshalb unserer jeweiligen Heimwege, immer noch ungläubig und erstaunt darüber, dass es nun fürderhin, tatsächlich ein echter Drache im Auenland hausen würde!

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Danke Beuno, ein wundervoller Bericht *Daumen nach Oben*

    Hat sehr viel Spaß gemacht !

  2. Ein Drachenbaby? Drachen werden riesig und gefährlich und sollten nicht als Haustier gehalten werden. Die Holzkeulchen der Grenzer werden bald schon nicht mehr ausreichen, um einem solchen Wesen entgegenzutreten. Mama Saramee hat schon gegen Drachen gekämpft und dabei nur dank ihrer Kampfstifelchen nicht ihr flauschiges Füßchenfell eingebüßt. Gabiola sollte sich dis wirklich gründlich überlegen. Es besteht sogar die Gefahr, daß die Dracheneltern ihr Baby finden. Was dann?

  3. das Smial muss feuersicher gemacht werden das is doch ganz klar!

  4. Tunvil Wintermond

    Uiii, ein wahrlich gruselig-schöne Geschichte …
    Aber ob besagtes Fräulein Gabiola viel Freude an ihrem feurigen Hausgenossen haben wird, wenn der wächst, wage ich zu bezweifeln …

  5. Mairad Flinkfuss

    Oh je was ist denn da in Baumgart los, das habe ich gar nicht mitbekommen, direkt in meinem Viertel so was. Danke für den Bericht lieber Beuno

  6. Tulpeline

    Hui was für ein seltsames Smial.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.