Berichte

Grenzerbericht: Grenzern ging im ‚Michelbinger Balkenfall‘ ein Licht auf!

Letzten Dienstag, in Fuchskleve, war die Tür des 'Grenzerhauptquartiers' sperrangelweit geöffnet, um Antragsstellern und Hilfesuchenden, Einlass zu gewähren und den 'Grenzern des Auenlandes' ihr Leid klagen zu können. Ab der achten Abendstunde, harrten die Beamten und deren Stammgäste, den Geschehnissen, die auf sie zukommen mochten.

Eigentlich sollte es so sein, dass die Beamten den Gästen harren, doch am vergangenen Dienstag, glänzten zunächst, sämtliche Grenzer durch Abwesenheit, sodass nur, Bango Gerstfeld, Werro Hanfstengel und meine Wenigkeit, Beuno Willowtree, zu vereinbarten Uhrzeit vor Ort waren. Während Grenzerausbilder, Faroweis Birnhaag, sich bereits vorab entschuldigt hatte, da er sich auf einer Fortbildung befand, war uns das Fernbleiben der beiden Grenzerbrüder, Kelko und Sundo Breitfusz, zu diesem Zeitpunkt noch ein Rätsel für uns. Statt der Grenzer, tauchte dann aber ein Zwerg, der einigen von uns bereits bekannt war, am Horizont auf und näherte sich uns, vor dem Grenzersmial stehenden Stammgästen. Es war der Musikinstrumentehändler, Strackdi Vardi, der dereinst durch einen Plagiatsvorwurf, in den Fokus der Grenzer geraten war, als einige seiner Waren, als billige Kopien bekannter Qualitätsinstrumente, tituliert worden waren.

Strackdi kam nun direkt auf uns zu, um nach einer Strasse zu fragen, die er anscheinend suchte. Kurioserweise trug er dabei, trotz des hellichten Tages, gleich zwei Laternen bei sich – eine in jeder Hand – die ein schwaches Leuchten von sich gaben und die blutunterlaufenen Augen des stattlichen Bartträgers, unheimlich illuminierten. Zwei Laternen? Sogleich erinnerten, Bango, Werro und ich, uns an die letzte Grenzerstunde, bei welcher der gute Werro, von seinem Unfall in Michelbinge berichtet hatte, als er wegen eines verschwundenen Absperrbalkens, der zwei Laternen (!) getragen hatte, heftig gegen ein Gerüst gestossen war. Hellhörig geworden, stellten wir Zwergenherr Vardi, nun gezielte Fragen und er bestätigte unsere Vermutung, als er behauptete, nach dem Verlassen eines Zechgelage im ‚Adler und Kind‘, vor der Tür des Lokals, einem ‚bleichen Händler‘ in einem weissen Wams, die Laternen abgekauft zu haben, welche dieser ihm, mit weit ausgestreckten Armen, feilgeboten hatte.

Wir grübelten angestrengt über dieses Rätsel und wünschten uns, ein Grenzer wäre zugegen, bis Werro auf die Idee kam, dass Strackdi in seinem Vollrausch, den weissgekalkten Absperrbalken, wohl für eine Person – vielleicht sogar einen Elben – gehalten haben könnte. Das Mosaik fügte sich langsam zusammen, nur das die Behauptung des ‚Musikzwergs‘, er habe dem ‚Händler‘ einige Silberstücke für die besagten Laternen, vor die Füsse geworfen, nicht bestätigt werden konnte, da am Tatort – den wir ja höchstpersönlich in Augenschein genommen hatten – keinerlei Geld gefunden wurde. Dies war allerdings nicht ungewöhnlich, das auf der Strasse herumliegende Münzen, bekanntlich nie lange an solch einem öffentlichen Ort liegen bleiben! Da weder Werro, noch Bango, oder gar ich, die Gesetzesgewalt eines Grenzers inne hatten, mussten wir Strackdi ersteinmal Glauben schenken, wieder ziehen lassen und durften nichtmal die Laternen beschlagnahmen. Allerdings baten wir ihn, zur nächsten Grenzerstunde nochmals Vorzusprechen, was dieser uns auch in die ‚hohle Hand‘ hinein versprach. Als Kelko schliesslich dann doch noch auftauchte, sah er gerade noch den letzten Bartzipfel des Zwergs über dem Hügel verschwinden und blickte uns neugierig und fragend an, nachdem er uns begrüsst und unsere Entschuldigung für seine Verspätung erheischt hatte. Verständlicherweise zeigte er sich nicht gerade erfreut, als er unseren Bericht vernommen hatte und ermahnte uns, dass durchaus auch Normalbürger, dazu befugt sind, Verdächtige festzuhalten.

Einige unter uns, erinnerten sich verschämt, an den Kursus, den ‚Extrem-Grenzerin‘, Tulpeline Schweinepfote, dereinst abgehalten hatte, in welchem genau diese ‚Zivilistenrechte‘, besprochen worden waren! Kelko beruhigte uns jedoch dann und meinte, dass Herr Vardi, leicht zu lokalisieren sein würde, wenn es denn ‚pressieren‘ sollte. Just, als Kelko sich dann suchend umschaute und uns nach dem Verbleib seines Bruders, Sundo, fragen wollte, erschien überraschend, Grenzerin Korundia, auf dem Areal und berichtete, dass der gesuchte Altgrenzer, sich den grossen Zeh verrenkt hatte und sich entschuldigen liess. Sie sei, an seiner Statt, gekommen und berichtete Kelko von ihrer Patrouille, rund um das Örtchen ‚Froschmoorstetten‘ herum. Sie hatte dort, im örtlichen Gasthaus – ‚Zum Schwimmenden Balken‘ – einen ‚Biertest‘ durchgeführt, da Gerüchte besagt hatten, dass der dortige Gerstensaft, tatsächlich mit Kaulquappen (!) verunreinigt worden sein sollte!

Den daraufhin folgenden, skeptischen Blicken und Fragen ihres Hauptmanns Kelko, wich die gewiefte Grenzerin damit aus, dass sie ihrerseits fragte, warum es eigentlich kein Uniformkleid für weibliche Grenzerinnen gab, wie sie angeblich schon länger gefordert hatte. Kelko stellte ihr seufzend frei, sich selbst ein Kleid besorgen zu dürfen, so es denn zur übrigen Uniform passen würde und verabschiedete sich dann abrupt von uns, da er anscheinend diese Diskussion, schon desöfteren geführt hatte und ihrer müde war. Da die Grenzerstunde zu diesem Zeitpunkt, eh schon fast um war, übernahm es Korundia, als letzte verbliebene Beamtin, die Abschiedsworte zu sprechen, was ihr auch recht ordentlich gelang. So endete diese leicht verworrene Grenzerstunde und wir alle machten uns auf unsere Heimwege und wünschten uns ‚Aufwiedersehen‘ am nächsten Dienstag!

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Tulpeline

    Extrem-Grenzerin soso

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