Berichte

Grenzerbericht: Geschichtsstunde mit dem Grenzerausbilder!

Vergangenen Dienstag öfnneten die ‚Grenzer des Auenlandes‘ erneut ihr Smial, um den Anliegen ihrer Mitbürger ein ebenso offenes Ohr leihen zu können. Aber der achten Abendstunde lud man dazu wieder, in den schönen Weiler ‚Fuchskleve‘ ein. Da die Hauptmänner, Sundo und Kelko Breitfusz, verhindert waren, wurde die Grenzerstunde diese Mal von Grenzerausbilder Faroweis Birnhaag geleitet.

 

Faroweis konnte mit Fräulein Maiglockli, Bango Gerstfeld und meiner Wenigkeit, Beuno Willowtree, drei Gäste zu seiner persönlichen Grenzerstunde begrüssen, welche er bei seinem Eintreffen, herzlich umarmte und sie sogleich ins Grenzersmial hineinbat, da er für dieses Treffen etwas ganz besonderes vorbereitet hatte.

Natürlich durfte aber auch dieses Mal, zuerst eine kulinarische Stärkung nicht fehlen. Faroweis hatte mit den Zutaten, die ihm die Grenzerbrüder zurückgelassen hatten, einen deftigen Eintopf aufgesetzt, während das Fräulein Maiglockli uns alle mit einem frisch gebackenen Apfelkuchen überraschte, der sofort – insbesondere bei Bango – reissenden Absatz fand. Das folgende allgemeine Lob, ihre Backfähigkeiten betreffend, hatte Maiglockli jedenfalls, voll und ganz verdient!

Als der erste Hunger gestillt war, bat uns Faroweis, in der gemütlichen Sitzecke vor dem Kamin, Platz zu nehmen, da er eine Geschichte für uns vorbereitet hatte. Mit tatkräftiger Hilfe von Fräulein Maiglockli, die bei der Erwähnung ihrer Mitarbeit, leicht errötete, hatte der Grenzerausbilder den Anfang seiner eigenen Lebensgeschichte und damit auch den seiner Familie, auf Pergament gebannt und schickte sich nun an, uns diese vorzutragen.

Zum Glück enterte das Elbenfräulein Brevorvien, dann gerade noch rechtzeitig den Grenzersaal, sodass ihr der Anfang der Erzählung nicht entging. Nachdem wir die klapperdürre Elbin, ausgiebig begrüsst und umarmt hatten, startete unser heutiger Gastgeber auch schon mit dem ersten Teil seiner autobiographischen Mär.

Faroweis: ‚Eine Geschichte. Gewidmet an Glockli. Ohne sie wäre die Umsetzung nie möglich gewesen! Alles begann in Froschmoorstetten. Einem beschaulichen Örtchen an der großen Oststraße mit einem Gasthaus, vielen Mooren, Fröschen und anderem Getier. Dort gibt es allerlei Smials und viele alteingesessene Familienbetriebe. Da wäre beispielsweise der Hof der Familie Apfelstetter oder auch die Dachdeckerei der Familie Birnhaag. Alles davon prägt den Ort ungemein!

Doch wer sind überhaupt die Birnhaags? Die Birnhaags leben hier seit vielen Jahrhunderten. Schon immer hat ein Birnhaag die Dächer im Auenland repariert und schon immer ging dieses Handwerk weiter an das älteste Kind. Momentan hat dieses lang gepflegte Handwerk der Vater des Autors inne. Frarbras Birnhaag! Frarbras ist ein älterer Hobbitherr, der alleine mit seiner Mutter Grumhilda , die eine geborene Graufuss ist, in Froschmoorstetten im allseits bekannten Smial mit der roten Tür lebt.

Doch was macht ihn überhaupt aus? Wie ist er? Das ist einfach zu erklären! Die meisten Eigenschaften, die den Autor ausmachen, haben wohl ganz eindeutig hier den Ursprung. So ist Frarbras immer für einen Spaß zu haben, war in seinen jüngeren Jahren wahrhaft frech, aber auch in den richtigen Situationen immer angemessen höflich. Er liebt es vor allem seinen Freunden und Bekannten zur Seite zur stehen. So unterstützt er vor allem die weniger wohlhabende Familie Apfelstetter. Man kennt sich schon ewig. Auch Frarbras war damals schon mit dem Vater des Farabas Apfelstetter befreundet. Ebenso ist Frarbras immer für Gedichte und Musik berüchtigt gewesen. Auch das gab er an den Autor, Faroweis Birnhaag , weiter. Am meisten dürfte das Lied vom Froschmoorstettener Apfelbaum bekannt sein.‘

Nach diesem ersten Abschnitt, als Faroweis eine kleine Trinkpause einlegte, um seine trockene Kehle zu benetzen, erinnerte sich Maiglockli an den ‚Höflichkeitscode‘ der Hobbits und bot nun auch Fräulein Brevorvien ein Stück ihres köstlichen Apfelkuchens an, welches selbige nur allzu gerne und begierig verschlang. Zufrieden lächelnd, nahm die kleine Hobbitdame wieder Platz, als Faroweis auch schon wieder fortfuhr.

Faroweis: ‚Doch wer genau ist nun die bereits genannte Grumhilda? Dies ist die Großmutter des Autors und die Mutter des Frarbras Birnhaag. Eine alte herrische Dame, die niemals Unrecht haben mag. Sie ist sehr streng, aber gleichzeitig auch von großer Güte. So hat sie zwar eine schwere Art dies zu zeigen, aber möchte sie doch stets nur das beste für ihre Familie. Ein Herzenswunsch von ihr ist, dass der Autor höchstselbst die Dachdeckerei übernimmt. So wie es seit Generationen geschah. Doch diesmal ist es anders. Der Autor ist fest seinen Berufen verbunden und gedenkt keinesfalls von diesen abzutreten. Dies versteht sie nur schwer. Der Vater des Autors hat es dagegen längst eingesehen. Oftmals versucht sie den Autor zu überreden. Dies führt häufig zu Streit. Am Ende des Tages hat man sich dann schließlich doch wieder gern. So war es immer und so wird es immer sein. Man hält zusammen. Das macht uns Birnhaags aus!‘

Wir alle waren erstaunt und leicht überrascht, hatten wir Faroweis‘ Hintergrund doch noch nie so ausführlich und im Zusammenhang, beschrieben gehört. Auch der Erzählstil war durch Maiglocklis Zutun, erheblich perfektioniert worden, sodass wir vermeinten, einer echten Geschichte, wie aus einem uralten Buch, zu lauschen! Nach der Beantwortung einiger kleinerer Nachfragen, erzählte Faroweis sogleich eloquent weiter.

Faroweis: ‚Doch ich schreibe so viel von einem Autor. Wer ist dieser denn nun überhaupt? Dies ist natürlich meine Wenigkeit. Faroweis Birnhaag. Der älteste Sohn des Frarbras Birnhaag. Aufgewachsen , wie jeder Birnhaag zuvor, im Smial mit der roten Tür in Froschmoorstetten. Ihr fragt euch sicher alle wie ich als Kind gewesen bin. Wie war denn nun meine Kindheit? Zusammenfassend war sie abenteuerlich, aber auch ruhig. Dies wird euch natürlich nicht genügen. Deshalb werde ich hier weiter in die Tiefe gehen. Vor rund 38 Jahren habe ich als erstes Kind des Frarbras Birnhaag und meiner Mutter Marisa Birnhaag, die eine geborene Bolger ist, das Licht der Welt erblickt. Ich hatte eine wirklich unbeschwerte Kindheit! Ich half meinem Vater in der Dachdeckerei aus und habe zugleich von meiner Großmutter viele praktische Dinge wie etwa nähen erlernt. Doch wie man mich kennt war ich auch sehr frech. Stets haben wir den Nachbarn Streiche gespielt. Wir? Farabas Apfelstetter und ich waren wahrhaft unzertrennlich. Niemals waren wir weit voneinander entfernt. Das ging von einem Wassereimer über der Tür bis zu ein wenig Matsche an der Türklinge. Farabas hat mich immer dafür gerügt. Er war beinahe wie ein Vater, der seinen Sohn zurechtweist. Obwohl er doch jünger als ich ist. Eines Tages kamen dann Grenzer durch unseren Ort. Das taten sie natürlich zuvor auch schon häufig, aber diesmal hat es uns interessiert. Wir schauten beide wie gebannt auf die Mütze mit der Feder. Einer von ihnen hatte sogar zwei davon! Das muss wohl der Hauptmann sein dachten wir uns. Waren wir beide doch in dem Alter uns langsam eine Arbeit zu suchen. Bisher dachte ich stets daran die Dachdeckerei zu übernehmen. Dies änderte sich genau in diesem Augenblick. Wir wollten Grenzer werden. So begeistert waren wir von allem was sie tun. Wir lasen Bücher und fragten alle möglichen Grenzer aus, die uns nur begegnet sind. Ich habe dies schließlich gegen den Willen meiner Großmutter und mit der Unterstützung meines Vaters umgesetzt. Ich bin den Grenzern beigetreten. 

Mein Hauptmann ist Kelko und mein Ausbilder war Hanglo Haarfuss. Er war sehr gütig zu mir und ging stets sehr locker mit mir um. Gleichzeitig hat er mir stets den nötigen Ernst vermittelt. Als er in Pension ging wurde ich doch tatsächlich sein Nachfolger. Das macht mich ganz besonders stolz! Farabas hat sich hinterher doch dagegen entschieden und bewirtschaftet nun den Hof seiner Eltern. Wie ein jeder weiß bin ich aber auch Bäcker. Die Backstube Smialtörtchen war eine neue Etappe in meinem Leben. Ich konnte backen und feine Törtchen herstellen, aber an den Verkauf dachte ich nie. Dies war wahrhaft ein Zufall. Der Menschenherr Adrontar Eschenhain hat diese Backstube eröffnet und sie lange geführt. Hinterher haben ihn aber seine Pflichten in Bree wieder eingeholt. Die Backstube stand also leer und vor der Schließung. Es fand sich kein Nachfolger. Da ich die Ware der Backstube sehr geschätzt habe und schätze habe ich mich dazu entschlossen sie zu übernehmen und unter gleichem Namen fortzuführen. Unter meiner Führung wurde sie noch bekannter und größer als zuvor. Ich beschäftige mit Beuno, Torbol, Moosgloeckchen und Jelscha nun vier ganz fantastische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Ohne sie wäre das neben meiner Grenzerarbeit absolut unmöglich. Soviel zu meiner beruflichen Situation.‘

Wir alle hingen gespannt an den Lippen des Grenzerausbilders, dessen Geschichte uns doch nicht unbewegt liess, selbst Bango vergass fast, seinen Kuchen weiterzukauen! Auch Brevorvien – die in ihrem langen Elbenleben ja schon sehr viele Erzählungen gehört hatte – lobte das Werk von Faroweis und Maiglockli, in höchsten Tönen und war nun genauso begierig darauf, wie wir anderen, dem Ende des ersten Teils zu Lauschen.

Faroweis: ‚Doch eine Birnhaag habe ich noch nicht erwähnt! Da ist noch meine jüngere Schwester. Pikku Birnhaag! Lange verschollen, für Tot gehalten und schließlich wie durch ein Wunder wieder aufgetaucht. Doch hier muss ich weiter ausholen. Eines Tages begab sich mein Vater mit meiner Mutter und Pikku ins Bockland. Er hatte dort einen Auftrag. Ich blieb derweil bei meiner Großmutter. Dort verlief auch alles wie gewohnt. Vater besserte das Dach aus und meine Mutter sowie Pikku sahen ihm dabei zu. Dann ging meine Mutter für eine Weile fort und nahm Pikku mit. Als mein Vater dann seine Arbeit beendet hatte fing er an beide zu suchen. Er lief durch das ganze Bockland bis er zu dem Tunnel zum alten Wald kam. Dort füllten sich seine Augen schlagartig mit Tränen. Dort lag seine Frau, Marisa Birnhaag, tot neben mehreren einigen erlegten Wölfen. Sie hat sich nur mit ihren Händen versucht zur Wehr zu setzen, aber es waren einfach zu viele Wölfe. Von Pikku fehlte dagegen jede Spur. Auch eine Suche blieb erfolglos. So kehrte mein Vater also alleine Heim. Dies war wohl der schwerste Moment in meinem Leben. Das hat mich darin bestärkt Grenzer zu werden und meine Freunde zu schützen. Doch dann kam wie überraschend ein Brief. Beunos Onkel Bronco , der Waldhüter ist, hat uns geschrieben. Lange hat er ein junges Mädchen gepflegt. Er wusste nur , dass sie Pikku heißt. Bis sie dann eines Nachts den Namen Birnhaag gemurmelt hat. Das hat ihn hellhörig gemacht und so schreibt er uns nun. Sie ist bei ihm. Sie lebt! So waren wir nun zu dritt…‘

Manche verdrückten einzelne Tränen, ob dieses emotionalen Endes, der Lebensgeschichte des Faroweis Birnhaag, der sich nun stolz verbeugte, als allgemeiner Applaus aufbrandete und er selbst auch seiner ‚Mitschreiberin‘, Fräulein Maiglockli, Beifall spendete. Die Zeit war über diese ‚Geschichtstunde‘ allerdings nur so verflogen, sodass nun schon die allgemeine Verabschiedung anstand. Wir alle wünschten uns ‚Sichere Wege‘ und sagten ‚Bis bald‘, in der Hoffnung, schon bald der Fortsetzung dieser faroweisschen Erzählung, beiwohnen zu dürfen!

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Huugo Haarfuss

    Oh Fräulein Brevi ist klapperdünn? Da muss sie doch viel öfter im auenland verweilen. Tolle geschichte…und Faro macht sich gut als erzähler

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