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Grenzerbericht: Gekürzte Stunde in kleiner Besetzung

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Reportage. Eine um die Hälfte gekürzte ‘Grenzerstunde’, fand am vergangenen Mittwoch statt, da einige der Grenzer, aufgrund besonderer Verpflichtungen, nicht anwesend sein konnten. Trotzdem entschloss sich Grenzerhauptmann, Kelko Breitfusz, das Hauptquartier, für Notfälle, ab der achten Abendstunde, wenigstens für dreissig Minuten, offen zu halten.

 

Kelkos Bruder, Sundo Breitfusz, weilt zurzeit für mehrere Wochen, in Michelbinge, wo er sämtliche Akten und Abrechnungen, mit Bürgermeister Weissfuss durchgehen muss, da dieser sich ein genaues Bild über die Geschäfte der ‘Grenzer des Auenlandes’ machen will. So war es wenig verwunderlich, dass Kelko lediglich Herrn Bango und meine Wenigkeit, Beuno Willowtree, zur achten Abendstunde am Grenzersmial, begrüssen konnte. Viele hatten wohl fälschlicherweise angenommen, dass mit der Abwesenheit von Herrn Sundo, die gesamte Grenzerstunde ausfallen würde, was jedoch mitnichten der Fall war.

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Grenzer Kelko hatte ja ohnehin schon seit einigen Monaten, den Oberbefehl über die Truppe von seinem Bruder übernommen und hat seitdem den selben Rang inne, was dem meisten aber noch gänzlich unbekannt sein dürfte. So ist er genauso befähigt, wie Herr Sundo, die Grenzertreffen zu leiten und dabei anfallende Entscheidungen zu fällen. Ob des geringen Besucheraufkommens, legte der junge Hauptmann allerdings gleich zu Beginn fest, dass an diesem Abend, nur für eine halbe Stunde göffnet sein würde, was Bango und mir durchaus recht war, da wir ohnehin nicht länger brauchten, um unsere Bäuche mit dem leckeren Champignon-Eintopf zu füllen, zu welchem uns Kelko gleich zu Anfang des Treffens einlud.

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Bango berichtete – gleich nachdem er seine ersten drei Schüsseln geleert hatte -, dass auch Grenzerausbilder, Faroweis Birnhaag, heute nicht kommen würde, da dieser mit dem geliehenen Eselskarren von Sundo, in Froschmoorstetten einen Unfall gehabt hatte! Er war mit seiner Oma Grumhilda, mit dem wagen nach Balgfurt gefahren, um dort den Jahresbedarf an ‘Sülze in Aspik’ – auf welche die Seniorin ganz wild ist – für die alte Dame abzuholen und selbigen gen Froschmoorstetten zu schaffen. Die steile Strasse, in Kombination mit dem stets sumpfigen Untergrund, in dem kleinen Örtchen und dem hohen Gewicht der geladenen Sülze, hatte die Bremsen von Sundos Karren, quasi wirkungslos werden lassen, sodass die beiden – mitsamt Eseln und Karren – direkt in das Froschmoor schlitterten, wo der Hauptteil der Ladung, in Rekordzeit, in den braunen Fluten versank!

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Zum Glück kamen Faroweis, Grumhilda und auch die Esel, mit dem Schrecken davon und konnten unverletzt gerettet werden, wobei bei den Zugtieren, mehrere Dorfbewohner mit Hand anlegen mussten, bis diese sich schliesslich wieder auf festem Grund befanden. Kein Wunder also, dass es Herr Faroweis nicht zur Grenzerstunde geschafft hatte. Kelko hatte auch noch etwas aus Froschmoorstetten zu berichten, war ihm doch zu Ohren gekommen, dass in der Nacht, nach besagtem Unfall, ein merkwürdiges Wesen mit angezündeten Kerzen auf dem Kopf, just an der Stelle, wo die meiste Sülze versunken war, von erschreckten Dorfbewohnern beobachtet worden sein soll! Das Wesen schien immer wieder unterzutauchen, als suche es nach irgendetwas am Boden des Sumpfes! Kelko und ich, hatten wohl die selbe Idee und sahen prüfend zu Bango hinüber, der jedoch angab, von diesem mysteriösen ‘Taucher’, nichts zu wissen und sich noch eine letzte Schüssel Eintopf nachfüllte.

Kelko grinste nur beliess es dann auch dabei, da Bango nicht gerade erpicht darauf zu sein schien, dieses Thema weiter zu besprechen. Wir leerten alle unsere Schüsseln und – da keine Hilfesuchenden, oder Antragssteller, mehr erschienen waren – verabschiedeten uns voneinander, was diese gemütliche ‘Plauder-Grenzer-Halbestunde’, dann auch beendete und wir uns auf unsere jeweiligen Heimwege begaben.

b.wi. für A.W.
Kategorie: Hiesige Nachrichten

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Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

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