Berichte

Grenzerbericht: Fallabschluss und Keulenvortrag!

Letzten Dienstag, in Fuchskleve, war die Tür des 'Grenzerhauptquartiers' sperrangelweit geöffnet, um Antragsstellern und Hilfesuchenden, Einlass zu gewähren und den 'Grenzern des Auenlandes' ihr Leid klagen zu können. Ab der achten Abendstunde, harrten die Beamten und deren Stammgäste, den Geschehnissen, die auf sie zukommen mochten.

Begrüsst wurden die Hauptmänner, Sundo, Kelko und ich, Grenzerreporter Beuno Willowtree, diesesmal mit Fiedelmusik, die der pensionierte Pfeifenkrautbauer, Werro Hanfstengel, auf seiner neu erworbenen Sperrholz-Geige erzeugte. Der patente Rentner, hatte den Bogen schon prima raus und erstaunte uns, mit einen Potpourri aus altbekannten Melodien, wobei das Instrument allerdings auch einige seltsame Laute hervorbrachte, die uns stellenweise, die Nackenhaare hochschnellen liessen!

Nun wusste Werro, warum das alte Mütterchen Tuk in Michelbinge, die Fiedel so günstig feilgeboten hatte! Als Bango dann eingetroffen war, baten uns Sundo und Kelko ins Smial hinein, wo ein leckerer Möhren-Hühnchen-Eintopf auf dem Kochfeuer auf uns wartete. Wir folgten den vorauseilenden Bango ins Hauptquartier hinein, wo uns Hauptmann Kelko beim Essen, über die Einstellung des Falls, den anonymen Briefeschreiber betreffend, informierte.

Mit dem Aushängen der offiziellen Amts-Stellungnahme, seitens der Grenzer und der Weigerung von Frau Himbeerstrauch – unserer Chefredakteurin hier beim ‚Auenländer Wochenblatt‘ – sich für die Delinquentensuche instrumentalisieren zu lassen, waren alle Ermittlungsmöglichkeiten ausgeschöpft und die Akte ins Archiv verschoben worden. Dies würde Frau Schalotte Buchsbaum sicher nicht sehr schmecken, doch seien den Beamten nun quasi die Hände gebunden, bis eventuell neue Ansätze auftauchen sollten. Wir alle nickten zustimmend zu Kelkos Ausführungen und kamen hernach, der Aufforderung seines Bruders nach, ihm hinunter ins Kaminzimmer zu folgen, da er einen lehrreichen Vortrag für uns vorbereitet hatte.

Pünktlich zum Start, stiess noch Grenzerausbilder, Faroweis Birnhaag, zu unserer geselligen Runde hinzu, der – aufgrund seines halbstündigen Zuspätkommens – gleichmal zum Aufbrühen frischen Tees verdonnert wurde. Als alle dann endlich, mit einer dampfenden Tasse in der Hand, gemütlich vor dem Kamin versammelt waren, offenbarte Sundo uns das Thema seines kleinen Vortrags, welcher den einfachen, jedoch einprägsamen Titel ‚Die Grenzerkeule‘ trug.

Einige von uns sahen sich leicht erstaunt an, glaubten wir doch, dass es nicht viel über eine simple Keule zu berichten geben könnte, oder wir schon alles Wichtige wissen würden, doch wurden rasch eines Besseren belehrt. Den Wortlaut dieses interessanten ‚Lehrberichts‘ von Altgrenzer Sundo Breitfusz, möchten wir hier, eins zu eins, abdrucken:

„Ich dachte mir, heute erzähle ich mal was über Grenzerkeulen, die althergebrachte Bewaffnung des Grenzers. Weswegen werden traditionell Keulen genommen? Sie haben mehrere Vorteile: Erstens: Sie sind kostengünstig in der Anschaffung, Zweitens: Sie sind einfach zu… ääh… ‚bedienen‘! Es ist einfacher zu lernen, wie man eine Keule schwingt, als wenn man lernen müsste, eine Axt zu schwingen. Oder stellt euch vor, ein Schwert! Da kann man sich viel leichter verletzten beim Üben! Allso, Keulen haben keine scharfen Kanten und keine Schneiden, deswegen darf der Grenzer die Keule auch, zum Beispiel, in der Gaststätte tragen. Nun etwas zur Herstellung. Manche Keulen werden gedrechselt, die meisten jedoch, werden geschnitzt und zwar – natürlich – aus Holz!  Aber es muss einigermassen gut abgelagertes Holz sein. Man kann dickere Äste nehmen, oder dünne Baumstämme. Je härter das Holz ist, desto weniger bekommt sie Scharten, oder bricht! Also, um es so zu sagen: Manche Grenzer haben auch einfach nur einen guten Wander-, oder einen Knotenstock. Damit kann man auch Einiges anrichten, bei Wölfen, zum Beispiel. Knotenstöcke haben ordentlich ‚Wumms‘, da fliegt der Wolf, wenn man ihn richtig trifft, meterweit! Achja, ich persönlich bevorzuge die grossen, schweren Keulen. Ich schwinge sie zweihändig! Ich bin da von meinem angestammten Handwerk, dem Schmieden, ein gewisses Gewicht gewohnt. Und wenn die Keule zu lang ist, muss man sie ohnehin zweihändig schwingen. Na, dann muss man noch erwähnen, dass solche Keulen, auch bei ‚Langen‘ Eindruck machen. Die denken ja sonst immer: Pah, nur Holz! und wundern sich dann immer! Achja: Manche machen noch extra Eisenringe um die Keule, um sie zu beschweren, oder nutzen gar eine Keule, die ganz aus Eisen besteht! Das ist aber Verschwendung von Material, meiner Meinung nach, zudem wird die Keule so sehr schwer und langsam. Die meisten Grenzer haben ihre ganz persönlichen Keulen. Zumindest werden die Keulen personalisiert, mit Bändern, Schnitzereien, oder durch Einfärben. Zuletzt noch etwas zu ‚Schlagtechniken‘: Das Erlernen der ‚Keulenhandhabung‘, schafft nahezu  jeder sehr schnell. Das schwere Ende immer aufs Ziel richten und immer mit Schwung auf den Gegner drauf!“

 

Das Fazit des Vortrags, liess sich auf einen Merksatz herunterbrechen: ‚Ist die Keule gross und schwer, tut es weh… und das meist sehr!‘ Applaus und anerkennende Pfiffe brandeten auf, als Sundo sich, zum Zeichen, dass er seinen Vortrag beendet hatte, schwungvoll und augenzwinkernd verbeugte. Wieder hatten wir etwas Neues hinzulernen können und Werro überlegte hernach sogar, sich vielleicht eine Keule zuzulegen, während Bango plötzlich, aus irgendeinen Grund, einen Heisshunger auf ‚Gänsekeule‘ entwickelt hatte.

Die Grenzerstunde endete dann schliesslich, mit dem Hinweis, dass Sundo und Kelko, am nächsten Dienstag nicht zugegen sein würden können und – eventuell – Grenzer Faroweis, den Grenzertreff vorsitzen könnte. Nähere Informationen hierzu, können Interessierte zeitnah, den aktuellen Anschlägen an den bekannten Aushangtafeln entnehmen.

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Mairad Flinkfuss

    Toller Bericht Beuno und ein sehr lehrreicher Vortrag ja ja

  2. Der Keulenvortrag ist sehr aufschlußreich. Ich dachte bisher, daß man mit der Keule nur drohend herumfuchtelt, während man jemanden so dolle ausschimpft, bis er vor Angst im Boden versinken möchte und sich ergibt. Nur ganz selten habe ich mit meinem Keulchen auch mal jemanden gehauen. Dabei hatte ich immer ein ungutes Gefühl. Meinte ich doch, mein Keulchen dafür zweckentfremdet eingesetzt zu haben.

    Der wichtigste Votreil der Keule ist aber, daß man sie auch so verwenden kann, ohne seinem Gegner schwere Schnitt- oder Stichverletzungen zuzufügen. Womit sie für einen betrunkenen Randalierer bein Frühlingsfest besser geeignet ist, als ein Schwert oder eine Axt. Als Grenzer muß man ja immer die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren. Wir Ehrengrenzer wollen ja nicht leichtfertig ein Unheil anrichten.

  3. Tulpeline

    Ja so ist das leider manchmal. Nicht alle Fälle können gelöst werden. Traurig aber Wahr.

    Der Keulenvortrag war sehr spannend zu Lesen.

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