Berichte

Grenzerbericht: Entführung aus dem Grenzersmial!

Am Tag vor Mittwoch – dem Dienstag – fand, wie fast jede Woche zur achten Abendstunde, die Grenzerstunde in der beschaulichen Siedlung ‚Fuchskleve‘ statt. Dieses Mal blieb man jedoch nicht lange vor Ort, galt es doch das verunstaltete Smial des Herrn Torbol Prallwams, in der Siedlung ‚Ferkelkleve‘, in Augenschein zu nehmen. Da seine Nachbarin, Fräulein Sahma Flinkwiesel, seine Wohnstatt bekanntlich zweckentfremdet hatte – siehe dazu auch die Artikel in den letzten Ausgaben -, war Herr Torbol gezwungen gewesen, zunächst im Aufenthaltsraum des ‚Grenzersmial‘ zu übernachten.

 

Da ich dieses Mal, ausnahmsweise einmal, als Erster am Grenzersmial gewesen war, hatte ich eine erschreckende Entdeckung machen müssen: Herr Torbol war nicht mehr im Aufenthaltsraum aufzufinden und ein Fenster war dort aufgebrochen worden! Davon berichtete ich den bald eintreffenden, Fräulein Irmeline und den Grenzerbrüdern, Sundo und Kelko Breitfusz, natürlich sofort, nachdem ich sie adäquat begrüsst hatte. Verständlicherweise, zeigte diese sich sehr geschockt.

Irmeline: ‚Vielleicht ist jemand eingebrochen‘

Sundo: ‚Was? Wer macht unsere Fenster kaputt?‘

Kelko: ‚Warum sollte Torbol denn auch ein Fenster kaputt machen? Er war hier ja nicht eingeschlossen.‘

Auch der dann zu uns stossende Stammgast und ‚Essperte‘, Bango Gerstfeld, war erstaunt und höchst erschüttert, als wir ihm vom Verschwinden des Torbol Prallwams berichteten. Gespannt lauschte er den Ausführungen, wie die Grenzer nun weiter Vorzugehen gedachten.

Sundo: ‚Also, sollen wir mal unten nachsehen? Hast du nachgesehen, ob unten Scherben rumliegen, Beuno?‘

Irmeline: ‚Oder auch andere Dinge!?‘

Beuno: ‚Ja, ich glaube schon, war aber nur ganz kurz unten.‘

So begaben wir uns zunächst an den vermeintlichen Tatort, wo alles wirklich nach Einbruch und einem Handgemenge aussah! Das Bettzeug lag auf dem Boden, Essen war an die Wände geworfen worden und das besagte Fenster, war mit grosser Gewalt – augenscheinlich von Aussen – aufgebrochen worden!

Sundo: ‚Mannomann! Wer schlägt das Fenster so ein, dass das Holz auch zu Bruch geht? Ich kann nur sagen, dass es wohl mit ordentlich Gewalt gemacht wurde!‘

Bango: ‚Vielleicht wars auch ein langer Wilder?‘

Irmeline: ‚Der mußte sich wohl durchquetschen? So ähnlich würde es auch Herrn Bango ergehen, wenn er dort hinein wollte.‘

Beuno: ‚Also doch eine Entführung? Aber warum sollte man ihn entführen? Man würde ihn höchstens mundtot machen wollen.‘

Kelko: ‚Vor allen Dingen: wer wusste, dass er im Grenzersmial übernachtet?‘

Sogar Bier war von dem Eindringling verschüttet worden, wie Fräulein Irmeline, die eine grosse Liebhaberin des goldenen Gerstensafts war, erschüttert feststellen musste! Zu diesem Zeitpunkt traf auch Grenzerausbilder, Faroweis Birnhaag, im Aufenthaltsraum ein und wurde sogleich über alle Fakten ins Bild gesetzt.

Nachdem alle Spuren dann gesichert worden waren und keine weiteren Hinweise, auf den Verbleib des Herrn Prallwams gefunden worden waren, beschlossen die Grenzer, den ursprünglichen Plan für die Grenzerstunde zu verfolgen und dem Smial des Verschwundenen, einen Besuch abzustatten. Die Siedlung ‚Ferkelkleve‘, lag glücklicherweise gleich neben ‚Fuchskleve‘, sodass wir es nicht sehr weit hatten.

Dort angekommen, bot sich uns ein verstörendes Bild, hatte Fräulein Sahma beim ‚Umbau‘, anscheinend wahrhaft ‚ganze Arbeit‘ geleistet und sogar Barrikaden in Torbols Garten errichtet! Plötzlich wurde Faroweis, eines verdächtigen ‚Langen‘ gewahr, der sich verstohlen und vermummt, anscheinend mit einer Hobbitdame, die zunächst nicht zu erkennen war, am prallwamsschen Smialeingang herumdrückte.

Es gelang uns den Kapuzenmann zu überraschen, doch als er erkannte, dass er massiv in der Unterzahl und von keulenbewährten Grenzern umgeben war, stiess er Herrn Faroweis brutal zur Seite und flüchtete durch den alten Abwasserkanal – über dem dereinst Torbols Aussenklo gethront hatte -, indem er sich und auch seine kleine Begleiterin, kopfüber in das stinkende Loch stürzte! Soetwas hatte natürlich keiner von uns erwartet! Interessanterweise rief er dabei Worte, welche die Beteiligung des Fräulein Sahma an der ganzen Geschichte, in einem ganz anderen Lichte erscheinen liessen!

Kapuzenstrolch: ‚Jetzt stell dich nicht so an, Flinkwiesel! Willst Du nun reich werden, oder nicht?Rein da in den Tunnel mit Dir, sonst…!‘

Anscheinend hatten Sahmas frühere, menschliche Helfer, den Spiess nun quasi umgedreht und sie selbst soeben – vor unseren Augen -, entführt und in ihre Gewalt gebracht!

Da der vereiste Durchgang hinter dem ‚Langen‘ sofort kollabierte, war an Verfolgung nicht zu denken, sodass uns nur blieb, im Inneren des Smials nach Torbol weiterzusuchen. Wie letztens noch von Torbol höchstselbst beschrieben, war sein Smial tatsächlich in eine Art Kühlkammer umgebaut worden, ein Anblick, der uns mit offenen Mündern staunen liess!

Sundo: ‚Sagt mal, was soll das hier? Ich meine, wie trägt man so viel Eis hier herein!?‘

Hatten einige von uns schon draussen vermeint, Hilferufe vernommen zu haben, wurde dies nun traurige Gewissheit, als wir den mit Schnee und Eis zugeschaufelten Torbol – nur in seine Unterwäsche gekleidet – in einem Nebenzimmer entdeckten! Er bibberte stark, war aber ansonsten unverletzt, sodass wir uns beeilten, ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien.

Beuno: ‚Oh, das ist wirklich Torbol!!‘

Irmeline: ‚Er lebt!‘

Torbol: ‚Die Strolche haben mich hier eingeschneeschaufelt!‘

Schnell hatten wir gemeinsam die Schneebarriere zum Einsturz gebracht und den dankbaren Herrn Prallwams aus der Eiskammer gezogen. Endlich konnte Torbol uns dann berichten, was vorgefallen war.

Torbol: ‚Ich wurde aus dem Grenzersmail entführt! Da war wer eingebrochen und hat mich geschnappt.‘

Faroweis: ‚Von diesem Langen da?‘

Irmeline: ‚Oder von einer Horde tollwütiger Langer!?‘

Torbol: ‚Keine Ahnung es war ja dunkel und die hatten mir nen Sack übern Kopf gestülpt!‘

Bevor er seine Aussage weiterführte, entfachten wir erstmal ein wärmendes Feuer für den unterkühlten Backstubengehilfen, bevor wir wieder interessiert zuhörten.

Torbol: ‚Ja, die haben mich ja in Unterwäsche aussem Bett entführt! und gedroht! Die wollten mich hier erst rauslassen, wenn ich meine Anzeige zurückziehe! Das waren so mehrere Lange! Feine Geschäftspartner hat das feine Fräulein Sahma! Jaja, bestimmt ist Sahma ein kriminelles Meistergehirn!‘

Beuno: ‚Du weisst es ja noch garnicht, Torbol, aber Sahma wurde gerade von ihren eigenen ‚Geschäftspartnern entführt!‘

Sundo: ‚Sagt mal, die Sahma… die wohnt doch nebenan, oder? Weil, dann sehen wir mal nebenan nach, was wir da so finden!‘

Gesagt, getan! So wechselten wir alle hinüber ins Nachbarsmial, um nach eventuellen Hinweisen, wohin das Fräulein Sahma verschleppt worden sein konnte, zu suchen, wurden jedoch enttäuscht, da dort nichts Konkretes, oder auch Belastendes, vorzufinden war.

Bei der Rückkehr zu Torbols Smial, trafen wir in Sahmas Garten, überraschenderweise auf Elbenherrn Ahilleth, der wohl den Zettel mit dem Hinweis auf unseren Verbleib – welchen die Beamten stets an der Grenzersmialtür zurücklassen, wenn sie auswärtig zu tun haben – gelesen hatte und uns hierher gefolgt war. Auch er wurde rasch eingeweiht und schloss sich uns kurzerhand an, da er ja immerhin auch ein Verbündeter der Grenzer ist!

Zurück im ‚Eis-Smial‘, wurde dann nachgegrübelt, wie nun weiter vorzugehen sei.

Kelko: ‚Wir entfernen erstmal die Barrikaden, dann tauen wir das Haus wieder auf!‘

Sundo: ‚Genau, Kelko, die Barrikaden müssen weg und das Smial muss eingeheizt werden. Aber bis dahin kommt Torbol erstmal wieder mit zu uns.‘

Beuno: ‚Am besten kommt Torbol erstmal wieder in Schutzhaft!‘

So einigten wir uns alle auf eine Vertagung der Ermittlungen, bis zur nächsten Grenzerstunde, zumal Torbol dann – zur Mehrung seines ohnehin schon grossen Verdrusses – noch feststellte, dass die Entführer auch noch eines seiner teuren Gemälde – gemalt von Altmeister Kuno Klecks! – entwendet hatten! So kam auch noch Diebstahl auf die lange Liste der Vergehen hinzu! Man wird sehen, wie es in dieser Sache weitergehen und ob Herr Torbol, bis zur nächsten Grenzerstunde, – gefrierbrandlos -wieder vollends aufgetaut und Fräulein Sahma wieder – verletzungslos – aufgetaucht sein wird!

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Torbol Prallwams

    Ein Hoch auf die Grenzer! Ich habe eigentlich schon immer gesagt, dass es ohne sie auch nicht geht. Auch wenn ich früher mal über ihre kleinkarierte Pingeligkeit gewettert habe – wenn man sie braucht sind sie zur Stelle. Und auch mehr oder weniger rechtzeitig.
    Gut, dieser Lange ist ihnen durch die Lappen gegangen, schon ärgerlich. Aber wer rechnet auch mit Fluchttunneln und Faroweis ist schließlich nun auch verheiratet und eigentlich auch mehr Bäcker, und sollte sich eh nicht mehr so in Gefahr begeben.
    Das eine gewisse Sahma Flinkwiesel sich nun im eigenen kriminellen Spinnennetz verheddert und von ihren Kumpanen die Hühnerbeine langgezogen bekommt freut mich natürlich schon ein klein wenig.

  2. Sapperlot da is ja vielleicht was los da im zentraleren Südviertel. Muss ich doch glatt mal von den Wachleuten Entenbrügges einige zur Hilfe schicken!
    Ich bitte und hoffe auf lückenlose rasche Aufklärung, nich dass sich diese Schufte jetzt noch mehr trauen!

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