Berichte

Grenzerbericht: Ein Büttelabgesandter und ein geheimes ‚Teekränzchen‘!

Der letzte Dienstag stand wieder ganz im Zeichen der Sprechstunde der ‚Grenzer des Auenlandes‘, der sogenannten ‚Grenzerstunde‘, deren Treffpunkt – wie immer – ab der achten Abendstunde, am Grenzerhauptquartier, im beschaulichen Weiler ‚Fuchskleve‘ festgelegt worden war.

 

Gleich zu Beginn, offenbarte Hauptmann Kelko Breitfusz, Werro Hanfstengel, Bango Gerstfeld und meiner Wenigkeit, Beuno Willowtree, die wir uns pünktlich vorm Grenzersmial eingefunden hatten, dass sein Bruder, Sundo Breitfusz, heute durch Abwesenheit glänzen würde. Angeblich musste er woanders Grenzerdienst leisten, wovon Kelko aber anscheinend auch nichts bekannt gewesen war. So mussten wir das einfach so hinnehmen, während Kelko uns ins kühlere Grenzersmial hineinbat, da die Aussentemperaturen sich doch noch, als sehr hoch erwiesen. Im Innern war es tatsächlich viel angenehmer, da dort auch ein zwergisches Windmühlenmodell kräftig am Rotieren war und für kühle Luft sorgte. Werro zeigte sich davon sehr fasziniert und bestaunte das Objekt mit grossen Augen. Trotz der frischen Brise, wechselten wir dann noch eine Etage tiefer, in den Grenzerkeller – beziehungsweise ‚Aufenthaltsraum‘ -, allerdings nicht, ohne uns vorher mit Grenzereintopf versorgt zu haben. Kelko hatte dabei dieses mal auf eine Fleischeinlage verzichtet und servierte einen dennoch leckeren ‚Töften-Möhren-Eintopf‘, der selbst den ‚Essperten‘, Bango Gerstfeld überzeugen konnte, trotz der Weisheit, die er von sich gab.

Bango: ‚Das Wichtigste am Eintopf ohne Fleisch, is die Wurst!‘

Beuno: ‚Ein fleischloser Eintopf wird nach der Verdauung ohnehin zur Wurst, Bango!‘

Wir liessen es uns ordentlich schmecken und resümierten nebenbei nocheinmal, die Geschehnisse der vergangenen Grenzerstunde, bei welcher es ja um ‚Sitten und Moral‘ gegangen war und die Brüder, Kelko und Sundo, ob der Aussagen von Büttel-Leutnant, Frau Lorberia Froschbiss, in Streit geraten waren. Unsere Vermutungen, dass Sundo deswegen an diesem Abend nicht zugegen war, wurde von Kelko jedoch vehement verneint.

Beuno: ‚Ihr wart ja letztes Mal gründlich unterschiedlicher Meinung, Kelko!‘

Kelko: ‚Das kann man doch sein, Sundos Ansichten sind ja auch veraltet! Wir haben nicht weiter gestritten!‘

Als Grenzerausbilder, Faroweis Birnhaag, dann noch verspätet zu uns stiess und sich mit einer fadenscheinigen Erklärung zu entschuldigen versuchte, verlagerte sich das Thema der allgemeinen Diskussion, sofort auf die frisch geschlossene Ehe des Neuankömmlings.

Beuno: ‚Welche Entschuldigung hast du für dein Zuspätkommen, Faro!?‘

Faroweis: ‚Mairad und ich haben noch zu Abend gegessen!‘

Der Grenzerausbilder geriet zusehends in Erklärungsnot, wurde dann jedoch durch die Ankunft von Büttelgehilfe, Herrn Osmobert, gerettet, der auf Weisung von Frau Froschbiss hin zur Grenzerstunde erschien. Faroweis atmete hörbar auf und lenkte die Aufmerksamkeit sogleich auf den trinkfreudigen Hilfsgrenzer, indem er dessen Ankunft süffisant kommentierte.

Faroweis: ‚Kelko, das ist der Herr, der auf die engstirnige Dame von letztens steht.‘

Osmobert: ‚Ich hab den Dienst aufgebrummt bekommen und zu den Grenzern will ich sowieso nicht, aber der Hauptmann sagt, wir müssen freundlich und höflich sein, aber das macht normalerweise Lorberia, die ist aber nicht da. Ich hab aber keine Lust!‘

Wir versuchten den grummeligen Hobbitherrn mit Eintopf, Kuchen und gutem Zureden zu beschwichtigen und mehr über seinen ‚Freundschaftsbesuch‘ in Vertretung von Frau Froschbiss, hier bei der Grenzerstunde zu erfahren. Während dieser zähen Unterredung, rutschte Osmobert dann eine pikante Information heraus, welche ihm selbst, als garnicht so bedeutsam erschien. Gab er doch preis, dass sich Grenzerhauptmann Sundo, mitnichten auf ‚Grenzerdienst‘ befand, sondern, just zu diesem Zeitpunkt, bei Frau Froschbiss zu Gast war und wahrscheinlich eine Tasse Tee und einige Bisquits genoss!

Was wir davon halten sollten, wusste keiner von uns so recht. Kelko sah darin keine Verfehlung, da sein Bruder ohnehin freigenommen hatte, ob nun zum ‚Grenzerdienst‘, oder einem ‚geheimen Teekränzchen‘, sei letztendlich seine Sache. Faroweis sah dies weniger locker, da er glaubte, die beiden würden in diesem Moment, über die Gründungg eines ‚Moral-Vereins‘ verhandeln, da sie in dieser Angelegenheit, gleicher Meinung gewesen waren. Sicher wird dieser Fall bei der nächsten Grenzerstunde, nochmal auf der Tagesordnung stehen!

Immerhin gelang es uns zum Ende hin, den verstimmten Osmobert, doch noch etwas aufzuheitern, sodass wir alle uns freundschaftlich verabschieden konnten, als Hauptmann Kelko die Schlussworte gesprochen hatte. Man darf gespannt sein, wie sich Sundos brisantes ‚Froschbiss-Techtelmechtel‘, auf das fragile Vertrauenskonstrukt im inneren Kreis der ‚Grenzer des Auenlands‘, auswirken wird!

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

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