Berichte

Grenzerbericht: Besprechung der ‚Teekranzaffäre‘ und ein Vermisstenfall!

Wie jeden Dienstag, wartete dieser Tag der vergangenen Woche, auch wieder mit der Grenzerstunde der ‚Grenzer des Auenlandes‘ auf, die ihre Türen für die Allgemeinheit, ab der achten Abendstunde, geöffnet hatten, um besorgten Bürgern mit ihren Fragen oder Anzeigen, weiterhelfen zu können.

 

Kelko, Faroweis, Bango und meine Wenigkeit, Beuno Willowtree, freuten uns, die beim letzten Grenzertreff absenten, Lorberia Froschbiss und Sundo Breitfusz, wieder begrüssen zu können, da wir alle uns pünktlich zur ‚Grenzerstunde‘ vor dem Grenzersmial eingefunden hatten. Die beiden Letztgenannten hatten bei der letztwöchigen Versammlung, ja für einiges an Getuschel gesorgt, als Büttelhelfer Osmo, ausgeplaudert hatte, dass die beiden sich auf einen Tee getroffen hatten, anstatt zur Grenzerstunde zu erscheinen. Das hatte natürlich Tür und Tor, für allerhand Vermutungen sperrangelweit aufgestossen. Grenzerhauptmann Sundo, zeigte sich dann auch entsprechend verärgert darüber, dass ihm nun eine ‚Liebelei‘ mit Büttelleutnant Froschbiss nachgesagt wurde.

Beuno: ‚Zurück vom geheimen Teekränzchen, Sundo?‘

Sundo: ‚Wieso geheim? Ich meine, es geht ja nicht alle was an wo ich hingehe, oder? Ich weiss ja nicht was hier für Gerüchte aufgekommen sind, hab ich da was verpasst?‘

Kelko: ‚Geht mit Beuno wieder seine Fantasie durch?‘

Sundo: ‚Also, ich muss hier garnicht Rechenschaft ablegen über meine Freizeitgestaltung, solange die schicklich ist!‘

Immerhin gab Sundo dann zu, dass er mit Lorberia und ihren Eltern, Tee und Gebäck zu sich genommen hatte, wollte aber nicht auf weitere Details eingehen, da dies seine Privatangelegenheit war. Wir anderen wollten trotzdem nocheinmal Nachhaken und Bango verlangte lautstark nach Räucherspeck, der ihm wohl versprochen worden war, als ein lautes Räuspern seitens Leutnant Froschbiss, uns alle herumfahren liess. Die Grenzerin aus Oberbühl, war nämlich mitnichten wegen der Aufklärung der ‚Teektanzaffäre‘ erschienen, sondern hatte ein weit wichtigeres Anliegen, das ihr unter den Nägeln brannte.

Sundo: ‚Lorberia, ich muss mich für diese neugierigen Hobbits entschuldigen, man gewöhnt sich an sie…‘

Lorberia: ‚Wenn die Herrschaften dann fertig sind der Neugier zu frönen… Ich bin beauftragt eine Nachricht an die Grenzer zu übermitteln. Nur, für die Grenzer!‘

Beuno: ‚Aber, Frau Froschbiss…doch nicht hier draussen! Wenn es was Offizielles ist, lasst es uns lieber im Grenzersmial besprechen.‘

Kelko war der selben Meinung und bat uns alle hinein, wo Bango dann auch endlich seinen Räucherspeck bekam. Auf einem Tisch stand ein grosses Tablett mit dünn geschnittenen Speckscheiben, frischem Brot und Getränken bereit, wovon sich natürlich alle bedienen durften, so sie denn schnell genug dort waren, um dem immerhungrigen Gerstfeld-Spross zuvorzukommen! Nachdem der erste Hunger dann dennoch gestillt worden war – und Bango fröhlich weiterknabberte -, wurde ein Diskussionskreis gebildet und von Kelko, das symbolische Gesprächsszepter an Lorberia überreicht.

Kelko: ‚So, Frau Froschbiss, was für eine Nachricht haben Sie denn für uns?‘

Lorberia: ‚Es wird eine junge Zwien, seit zwei Wochen, von ihrer Familie vermisst! Sie scheint von einem Tag auf den anderen, einfach verschwunden zu sein. Die Familie stammt aus Oberbühl. Von den Dorfbewohnern wurde schon der ganze Schiefertonwald auf den Kopf gestellt. Doch sie scheint spurlos verschwunden zu sein!‘

Diese Offenbarung hatte nun keiner von uns erwartet und schockte uns doch sehr, nachdem es grad noch so fröhlich zugegangen war. Natürlich setzten sogleich Überlegungen ein, wie man in diesem Fall rasch helfen könnte, wobei das Problem darin bestand, dass die Person bereits seit zwei Wochen verschwunden war.

Beuno: ‚Seit zwei Wochen? Da droht ja Entfettung!‘

Faroweis: ‚Da muss man sofort einen Suchtrupp aufstellen!‘

Bango: ‚Als erstes müssen Essenspakete ausgelegt werden!‘

Lorberia: ‚Nun, die Büttelschaft Hobbingen-Wasserau ist mit dem Fall beauftragt und wir bitten in diesem Fall, auch höflichst die Grenzerschaft auf ihren Wanderungen, ein Auge offen zu halten! Einen Moment. Ich habe eine Zeichnung!‘

Lorberia zeigte dann einen Steckbrief herum – den wir auch hier am Ende des Berichts mit abgedruckt haben -, der uns alle schlagartig blass werden liess! Kannte doch jeder der Anwesende die abgebildete Dame, mehr oder weniger, persönlich! Vom Pergament her sah uns nämlich das Porträt von niemand geringerer, als Fräulein Hazelnuss Kleinbau entgegen! Diese Tatsache bedrückte uns dann verständlicherweise noch mehr und Frau Froschbiss, der unsere Reaktion natürlich nicht verborgen geblieben war, rückte dann noch mit weiteren Informationen heraus.

Lorberia: ‚Sie ist einigen von Euch bekannt? Hm..Jedenfalls ist die Sache anscheinend ernst. Natürlich, es verschwinden immer wieder einmal Zwiens, jedoch meistens nur bis sie wieder Hunger bekommen. Zwei Wochen jedoch… das ist eine ernstzunehmende Sache! Sie scheint noch auf der Hochzeit ihrer Schwester gesehen worden zu sein, danach war sie verschwunden. Wie gesagt, die umliegende Umgebung wurde schon von den Männern des Dorfes durchkämmt.‘

Kelko: ‚Da die Dorfbewohner schon die Umgebung durchsucht haben, wird noch ein Suchtrupp nicht erfolgreicher sein.‘

Lorberia: ‚Wir befürchten, die junge Frau befindet sich auch nicht mehr in der Nähe von Oberbühl. Sie könnte überall sein und es wird sehr gehofft, dass sie sich nicht ins Breeland verläuft. Dort könnte sonst etwas passieren. Eine Liebschaft ist uns nicht bekannt, dies wäre wohl das beste Motiv für eine junge Zwien. Sie scheint aber alle ihre Sachen mitgenommen zu haben und die Mutter sagte unter Tränen, dass nur sehr wenig aus der Speisekammer fehle. Nichts mit dem man zwei Wochen über die Runden kommt.‘

Diese letzten Aussagen, beruhigten die erfahrenen Grenzbeamten, Kelko, Sundo und Faroweis, dann gleich wieder etwas, da alles nun eher nach einer geplanten ‚Flucht‘ und nicht nach einer Entführung, oder einem anderen Verbrechen, aussah. Trotzdem würde natürlich ein Suchtrupp zusammengestellt, versicherte Hauptmann Kelko, der auch zu Monabella, Tulpeline und der ‚Grünfeldkompanie‘, samt ihrer Suchhundstaffel, Kontakt aufnehmen wollte. Ich, als Grenzerreporter, wurde verpflichtet, den Steckbrief hier im ‚Auenländer Wochenblatt‘ abzudrucken, damit auch ihr, liebe Leser, ein Auge nach der lieben Hazelnuss offenhalten könnt.

Jegliche Hilfe und Hinweise, sind sehr willkommen und können bei der nächstgelegenen Grenzerstation, vorgetragen werden! Die Suchaktion ist nun angelaufen und man kann nur hoffen, dass Fräulein Kleinbau, möglichst rasch wieder unversehrt auftauchen möge! Büttelleutnant Froschbiss, zeigte sich sehr erfreut und erleichtert, über die Mitarbeit der ‚Grenzer des Auenlands‘ und zog sich noch für ein privates Gespräch mit Hauptmann Sundo, in den Nebenraum zurück, während wir anderen uns voneinander verabschiedeten und uns sichere Heimwege wünschten. Eine aufregende Grenzerstunde hatte ihr Ende gefunden.

Beuno Willowtree ist ein vierzigjähriger Bockländer, der hauptsächlich in der Holzwirtschaft tätig ist. Zu seinen Leidenschaften zählen aber auch der Angelsport und das Jagen, welches er von Kindesbeinen an von seinem Onkel beigebracht bekam. Trotzdem eher friedfertig veranlagt, tauschte er schon bald desöfteren die Rute und den Bogen gegen Zeichenstift und Papier und fertigte lieber Bildnisse der Tiere an, anstatt diese zu erlegen. Dies blieb nicht gänzlich unbemerkt und so geschah es, dass auch das Auenländer Wochenblatt aufmerksam wurde und eines seiner Werke erstand und abdruckte.

  1. Die kleine Hazelnuss sucht vielleicht den letzen Prinzen in den Breeländer Hügelgräbern. immerhin verschwand sie nach einer Hochzeit. Das ist sicher kein Zufall. Irgendwer verbreitet Gerüchte, dort sei ein Prinz zu finden. Mich jedoch lockt soetwas überhaupt nicht, denn ich habe mir ja den süßen Beuno ausgeguckt.

  2. Ah sie wird nun als Vermisst gemeldet. Dann kann man nun nach ihr suchen.

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