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„Freitoertlerei“ ~ Eine Geschichte von Bango Gerstfeld

[dropcaps]I[dropcaps]n der heutigen Ausgabe bieten wir Euch, unseren Leserinnen und Lesern, die Möglichkeit, die gesamte Geschichte der „Freitörtlerei im Auenland“ zu erfahren. Hierzu veröffentlichen wir mit der Unterstützung von Bango Gerstfeld exklusiv die Geschichte, so wie diese von dem „süßspeisenliebenden“ Musikanten bei dem Treffen des „Verbunds für hobbitischen Brauchtum“ vom 25. März vorgetragen wurde.

Wir empfehlen Euch die Geschichte zu lesen, besonders aus dem Grund, dass das Wissen, welches die Geschichte vermittelt, für den diesjährigen Kochwettbewerb des „Verbunds für hobbitischen Brauchtum“ reichlich nützlich wäre.

Anmerkung: Die Redaktion des „Auenländer Wochenblattes“ hat keinerlei Veränderungen an der Geschichte oder der Art und Weise, wie die Geschichte von Bango Gerstfeld niedergeschrieben wurde, vorgenommen.

 

Freitoertlerei ~ Erzaehlt von Bango Gerstfeld

Unsere Geschichte beginnt zu einer Zeit in der die Hobbits sich bereits fein im Auenland eingelebt hatten, und alles wichtige fertig war. Die Viertel waren eingeteilt, das Pfeiffenkraut war erfunden, und der Dachverband sollte gegründet werden. Somit hatten die Hobbits fein Zeit sich das Leben angenehmer zu machen. Zum Beispiel haben sie damals das Heidelbeertörtchen erfunden, oder auch den elf-Uhr-Imbiss, dazu später mehr.

Zu dieser Zeit lebte im Westviertel ein Hobbit namens Tobi Törtlinger. Soweit bekannt ist war Tobi ein Plugscharreparateur, er könnte aber auch ein wanderner Angelrutenverkäufer gewesen sein, da sind die Überlieferungen leider nicht ganz eindeutig. Sicher ist jedenfalls das er viel gereist ist. Davon abgesehen war er ein ganz unaussergewöhnlicher Hobbit. Er achtete auf genügend Mahlzeiten am Tag, hatte nichts unvorhergesehenes und lebte fröhlich vor sich hin. Erwähnenswert an der Stelle ist vielleicht noch dass zu dieser Zeit für die Hobbits das Essen noch vielviel wichtiger war als heute weil die ja erst noch alles hinbauen mussten damals was heute schon da ist, und dafür brauchts ne Menge Kraft und so. Daher entstand schon damals der Brauch der verschiedenen Tagesmahlzeiten, auf die damals nicht nur aus Tradition geachtet wurde, wie heute mancherorts, sondern aus einfacher Überlebensnotwendigkeit. Also, wie gesagt, Törtlinger kam weit herum, und nahm so seiner vielen Mahlzeiten an ganz verschiedenen Orten ein. Mit der Zeit merkte er dass er Schwierigkeiten hatte zu vergleichen wo welches Essen am besten schmeckt. Er aß an einem Tag hier, am anderen Tag dort, dazu kamen noch all die Erzählungen von Leuten, sowas wie „Ooooh, die Auflauf von der Frau Buddeler, den müsst Ihr probieren der ist soooooo lecker„.

Eines Tages dachte Tobi sich das es eine Möglichkeit geben müsste um festzustellen was nun leckerer ist, „sooooo lecker„, „gaaaaanz lecker“ oder „dolle fein lecker„, also ein einfaches System um die Leckerichkeit von Essen festzuhalten. So erdachte er im Jahre drölfundeinzig die Törtskala. Mit Hilfe der Törtskala kann die leckerichkeit von jedem Gericht zwischen eins und zehn, theodingslich sogar elf, eingeordnet werden. Als Maßeinheit hat sich das sogenannte „Tört“ durchgesetzt, wobei ein Gericht mit einem Tört einfach nur lecker ist, und ein Gericht mit zehn Tört ist so lecker wie überhaupt nur geht. Ein Gericht mit elf Tört wäre so unvorstellbar lecker das es niemalsnichts geben kann was irgendwie leckerer ist. Unter Theotörtikern gilt es als ausgeschlossen das ein Wert von elf Tört erreicht werden kann, höchstens ist eine undingslich nahe Andingslichung daran möglich, oder so, das ist auch nicht so wichtig.

Die Törtskala ist übrigens nicht nach Tobi benannt, ein weit verbreiteter aber dennoch nicht entschuldbarer Irrtum, sondern nach seiner Tante Törtlinde Tuk, die eine ganz vorherragende Köchin gewesen war. Hätte er seine Skala nach sich selbst benannt hiesse sie ja Tobiskala. Äh, also, Tobi hatte sich das ganze eigentlich nur so für sich selbt überlegt, aber fast jeder Hobbit der davon hörte fand das sofort toll, und nahm die Idee begeistert auf. Zunächst waren das Tobis Freunde, seine Familie und seine Bekannte, aber die Idee der Törtskala verbreitete sich immer weiter, und so wurde bald im ganzen Auenland rumgetörtelt, wie man so sagte. Es wurden Listen erstellt, und verglichen und ausgetauscht, und ausführlichste Kompendien von allen Gerichten in allen Gasthäusern erstellt. Das war alles dolle fein soweit, nur muss man wissen dass im Laufe der Zeit auch der eine oder andere Fremde ins Auenland kam, was ja an sich ne feine Sache war weil sie neue Gerichte mitbrachten die man vertörteln konnte.

Einige von den neuen Gerichte waren aber garnich so lecker, und angeblich gab es damals auch Hobbits die nicht so doll Kochen konnten, so stellte sich mit der Zeit heraus dass die Törtskala eine Unzulänglichkeit hatte: Man konnte nämlich nichts auf ihr messen was weniger lecker war als ein Tört. Es gab verschiedenste Ansätze um das Problem zu lösen, die meisten davon ziemlich seltsam, und keiner war wirklich zufriedenstellend. Da wurde die Törtskala nach oben erweitert, und nach unten, und es wurden komische Sachen erdacht wie Minustörts, und Halbtörtschritte, und all so merkwürdigen Krams. Das war alles nix halbes und nix ganzes, und allerschlimstigst kams denn dazu das es dann ganz viele verschiedene Törtskala-Varianten gab, die alle nicht zueinander passten.

So wurde es in der Folgezeit schwierig gemeinsam zu törteln, weil immer erst mal geklärt werden musste welche Variante benutzt werden sollte, und so weiter. Auch passten die ganzen alten Aufzeichnungen nicht mehr und so, ein ganz grossen Kuddelmnuddel war das. Das waren schlimme Zeiten, da gab es so manchen Streit, und so manche Mahlzeit wurde nicht aufgegessen. In der Geschichtsschreibung nennt man das die Dunklen Zeiten. Hinweise darauf findet man auch in den Aufzeichnungen anderer Völker, aber meist fehlen dort dann die Hintergründe.

Erst im Jahre elfundzwanzehn hatte ein Hobbit namens Freidi Buddeler eine brauchbare Idee, er schlug vor zur ursprünglichen Törtskala zurückzukehren, was den Vorteil hatte dass für leckere Sachen alles beim alten blieb, also auch die alten Listen und Kompendien wieder gültig waren. Für Sachen die weniger lecker als lecker waren war die sogenannte Untertört vorgesehen, in der man in ein-Tört-Schritten festhalten konnte wo ein Gericht zwischen nicht ganz so lecker und garnich essbar liegt. Weil Freiwalt keine neuen Zahlen einführen wollte, weil es damit so viele schlechte Erfahrungen gab, hat er die Schritte einfach benannt, unterhalb von ein Tört immer weniger lecker werdend:

[starlist]

  • Gehtso
  • Dreivierteltört
  • Matschtört
  • Sossentört
  • Halbtört
  • Hungertört
  • Würgtört
  • Niedertört
  • Orktört
  • Bäh

Und, falls etwas wirklich garnicht mehr essbar ist,

  • gar kein Tört

[/starlist]Das war eine feine Idee, mit der fast alle Hobbits zufrieden waren. Es konnte wieder fein getörtelt werden, oder freigetörtelt, wie man nun sagte. Um die Dunklen Zeiten möglichst schnell zu vergessen begannen die Freitörtler sich in kleinen Gruppen zusammenzufinden, und sogenannte Leckerichkeitsordnungs-genauigkeitsermessungen abzuhalten. Diese Freitörtler-Logen waren weit verbreitet und hoch angesehen, und es galt als feine Ehre ein Freitörtler zu sein. Jede Freitörtlerloge wählte einen Vorsitzenden, den sogenannten Meister vom Mampf. Alle Logen gemeinsam wählten einen Grossmeister, den Grossmampf. Das ist so eine Art Bürgermeister für Törtchen. Der machte so Festeröffnungen, und Redereien, und so Sachen die Bürgermeister halt so machen.

Feine Zeiten waren das damals, und bald gab es überall Freitörtlerlogen, in fast jedem kleinen Dorf, und in den größeren sowieso, mehrere sogar meist und so. Im Jahre fünfzwachzehn wurde auch endlich eine Nachlässigkeit der Freitörtler ausgeräumt, es wurde nämlich vom damaligen Grossmampf verkündet dass nicht nur Gerichte, sondern auch Getränke verfreitörtelt werden können. Übrigens geht, soweit ich weiss, auch die Gasthausliga auf eine Loge zurück. Denn fragt man sich natürlich warum das nicht Gasthausloge heisst, dazu gleich mehr.

Erstmal muss ich aber noch auf eine Gefahr der Törtlerei hinweisen, und zwar die Törflation. So nennt man das, wenn jemand jedes Essen mit immer gleich vielen Törts misst, mit neun oder sogar zehn Törts oder so, zum Beispiel. Von Törflation kann jeder befallen werden, was früher ein grosses Problem war, aber mit dem Aufkommen der Logen wurde das weniger schlimm, weil die Freitörtler gegenseitig auf sich achteten. Falls bei jemandem Anzeichen für Törtflation auftauchten, wurde derjenige sofort darauf hingewiesen, und so war die Törflation nich mehr so schlimm wie früher.

Äh, also, wie gesagt, Freitörtlerlogen, alles fein. Da ist es ja verwunderlich das man heutzutage so wenig von den Freitörtler Logen hört. Das kam so: Vor paarhunderfünfzich Jahren wurde eine gewisse Frau Lobalie aus Sackheim zum Grossmampf gewählt. Das muss eine recht unangenehme Person gewesen sein, mit ein recht merkwürdigen Ideen und so. Die hat zum Beispiel die sogenannte Grossloge eingeführt, so eine übergeordnete Verwaltungsdingserei, deren Mitglieder vom Grossmampf persönlich eingesetzt wurden, und die die so überwachen und kontrollieren sollte was die Leute in den Logen so machen. Und denn wurde von der Grossloge festgelegt das in jedem Gasthaus regelmässig eine offizielle Vertörtelung ausgerichtet werden sollte, und dabei wurde von den Gastwirten der sogenannte Törttaler erwartet, sozusagen eine Spende an die Grossloge. Das war schon seltsam genug, und dazu kamem mit der Zeit dann noch so Gerüchte das es wohl mal vorgekommen sein soll das die Bewertungen mal nicht ganz so gut ausfielen wenn der Törttaler mal etwas knapp bemessen war und so. Ausserdem sorgte diese Frau Lobalie noch dafür das der Grossmampf nicht mehr gewählt wurde, sondern das ein Grossmampf seinen oder ihren Nachfolger bestimmte. Durch so Sachen sank das Ansehen der Freitörtler doch erheblich, und als dann auch noch der grossmampfliche Erlass erging das jeder Freitörtler einmal im Jahr den Grossmampf zum Essen einladen muss, zogen viele Logen sich aus der Öffentlichkeit zurück, oder lösten sich so offiziell auch auf. So endete langsam die grosse Zeit der Freitörtlerei.

Aber auch heute noch, kann man in kleinen Hobbithöhlen oder in verpfeiffenräucherten Hinterzimmern oder auf Waldlichtungen beim Picknick feine Hobbits finden, die fröhlich vor sich hin törteln. Man muss nur ein bischen suchen und so.

 

M.H. in Zusammenarbeit mit Bango Gerstfeld für A.W.

Mein Name ist Margerite Himbeerstrauch und ich bin die Chefredakteurin und Herausgeberin des Auenländer Wochenblattes. Ich bin mittlerweile rund 40 Jahre jung und lebe alleine in einem kleinen Häuschen nahe dem Redaktionsbüro im Ortsteil Wasserau bei Hobbingen. Schon als kleines Hobbitmädchen habe ich mich für das Schreiben interessiert, verbrachte die Zeit meistens in der Stube, natürlich mit Büchern und Zeitungen. Beim Auenländer Wochenblatt bin ich inzwischen seit vier Jahren tätig. Ich begann zu der Zeit, als ich der Zeitung neues Leben einhauchte. Zusammen mit einer großartigen Redaktion ist es mir gelungen, das Wochenblatt wieder an die Spitze der Zeitungen im Auen- und Umland zu katapultieren.

  1. Haha, Danke für die nochmalige Geschichte der Freitörterei, dann kann man sie hier immer nachlesen und sich an den Abend des Vortrags erinnern.

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